Der Hamburger Mittelständler Fritz Barthel Armaturen ist als Hersteller und als Händler für Kunden aus Industrie und Schifffahrt aktiv – seit neun Jahrzehnten

Wenn man die Anfangsjahre des Hamburger Mittelständlers Fritz Barthel Armaturen be- schreibt, könnte man fast von einer „Garagenfirma“ sprechen, also ähnlich wie bei vielen amerikanischen Konzernen, die in einer Autogarage entstanden. Denn auch Gründer Fritz Barthel hatte anfangs lediglich ein gutes Konzept und eine Handvoll Produkte, als er sich im April 1932 selbstständig machte. Allerdings nicht in einer Garage, sondern in seiner Etagenwohnung im Stadtteil Altona.

Familienfirma in dritter Generation

Die verfügte allerdings über ein Kellerlager, aus dem heraus der Ingenieur seine Kundschaft mit dem Fahrrad belieferte. Das „Start-up“ des findigen Gründers wuchs schnell dank seiner Umtriebigkeit und seines Erfindergeists. Er hatte mehrere Patente angemeldet und aufgrund seiner Nischenprodukte bald auch eine treue Kundschaft.

Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen rund 100 Mitarbeiter und zählt zu den bekannten Größen in den Branchen Schiffbau, Schifffahrt und Industrie. Seit Februar 1998 führt Mike Barthel den Familienbetrieb in dritter Generation. Er ist stolz auf das bisher Erreichte und hebt vor allem das Team hervor, das den Mittelständler so erfolgreich agieren lässt.

„Die Mischung machts“, sagt der 51-Jährige, „der Mix aus langjährig erfahrenen Mitarbeitern und frischen Newcomern, die Seite an Seite mit den Kunden innovative Lösungen erarbeiten und mit Qualität und Flexibilität überzeugen.“

80.000 Artikel hat Fritz Barthel Armaturen in seinem Katalog.

Barthel Armaturen entwickelt, konstruiert, fertigt und repariert Armaturen aller Art für verschiedenste Einsatzzwecke: Ventile, Schieber, Absperrklappen, Feuerlöscharmaturen, Verschraubungen, Flansche, Druckmesser und vieles mehr. Dabei baut das Unternehmen nicht alles selbst, sondern ist als lagerführender Händler mit zahlreichen Marken am Markt.

Beeindruckende Zahlen belegen die Aktivitäten: Rund 80.000 Artikel hat der Betrieb katalogisiert, etwa 20.000 Produkte sind ständig am Lager. Mehr als 5.000 Kunden beliefert Barthel Armaturen pro Jahr. Das weltweite Vertriebsnetzwerk sorgt für eine Präsenz auf nahezu allen Kontinenten. Exportiert wird in 69 Länder, und der Jahresumsatz liegt bei rund 22 Millionen Euro.

Das Unternehmen verfügt über einen exzellenten Ruf bei Werften und Reedereien. Nicht zuletzt die Verbundenheit zur Schifffahrtsbranche war ein Grund dafür, dass die Firma ihren Altonaer Wurzeln treu geblieben ist.

Schnelle Lösungen und kurze Wege zum Kunden

Seit 2009 ist das Unternehmen im Gewerbe- und Industriegebiet Schnackenburgallee aktiv. „Wir befinden uns in einer Gegend, die eine der höchsten Dichten an Schifffahrtsunternehmen in Deutschland aufweist“, sagt der Chef. Das heißt: kurze Wege zum Kunden und damit schnelle und serviceorientierte Lösungen – ein Eckpfeiler der Firmenphilosophie.

Neben Produkten für die kommerzielle Schifffahrt – Containerschiffe, Tanker, LNG-Carrier – entwickelt und vertreibt Barthel Armaturen auch ein breites Produktportfolio für den Sonderschiffbau, zum Beispiel Jachtbau, und für den Marinesektor. Seit mehr als 20 Jahren engagiert sich der Betrieb darüber hinaus erfolgreich in dem großen Bereich der Probenahmesysteme für Kunden aus der chemischen Industrie.

Barthel: „Kraftwerke und die chemische Industrie beispielsweise benötigen zur Sicherstellung ihrer komplexen Prozesse Systeme, die schnell, zuverlässig und sicher Proben jeder Art, also Flüssigkeiten, Feststoffe und Gase, analysieren können. Hier haben wir uns ein einzigartiges Know-how erarbeitet.“

Neben der Montage von Teilen zu kundenspezifischen Armaturen fertigt der Betrieb auch Kleinserien sowie Einzelanfertigungen und nimmt Erweiterungen und Umbauten vor. Ein moderner Maschinenpark mit CNC-Maschinen und Fünf-Achs-Bearbeitungszentren steht für verschiedenste Aufträge zur Verfügung.

Demografischer Wandel als Herausforderung

Daneben ist aber auch immer wieder klassisches Handwerk gefragt, zum Beispiel dann, wenn es um Reparaturen oder Komplettierungen von Armaturen, Kondensatableiterprüfungen oder die Inbetriebnahme von Anlagen und Komponenten geht.

Ein wichtiger Bereich des Know-hows betrifft die Prüfung und Abnahme von Ventilen und Armaturen. So können Wasserdruckprüfungen bis 1.200 Bar und Luftdruckprüfungen bis 50 Bar vorgenommen werden. Zulassungen und Zertifikate aller großen und führenden Klassifizierungs- und Zertifizierungsgesellschaften liegen vor. Das Unternehmen ist außerdem zugelassener Schweißfachbetrieb.

Der Zukunft sieht der Firmenchef relativ entspannt entgegen, obwohl der allgegenwärtige demografische Wandel auch vor seinem Unternehmen nicht haltmacht. „Eine wichtige Aufgabe wird es sein, das Know-how unserer langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Betrieb zu halten“, sagt er.

Da in den kommenden Jahren zahlreiche langjährige Mitarbeiter den Betrieb verlassen werden, setzt Barthel auf Quereinsteiger und auf Ausbildung. Aktuell befinden sich vier junge Leute in der Ausbildung; zwei werden Industriekaufleute, einer erlernt den Beruf der Fachkraft für Lagerlogistik, und ein weiterer absolviert eine studienintegrierte Ausbildung.

Diese beinhaltet eine Industriekaufmann-Lehre und ein vierjähriges Studium an der Beruflichen Hochschule Hamburg (BHH). Diese Ausbildungsform ist noch relativ neu und wird nun bei Barthel Armaturen erstmals angeboten.

Mit den Ausbildern auf Augenhöhe

Alle Azubis fühlen sich offensichtlich wohl im Betrieb. „Wir werden respektiert, man spricht unsere Sprache, und wir können uns auch mit den Ausbildern auf Augenhöhe begegnen“, sagt Irina Onischuk, die Industriekauffrau wird.

Zudem finde man stets ein offenes Ohr für seine Anliegen. „Fragen werden sofort beantwortet“, sagt Levy Geisemeyer, der die studienintegrierte Ausbildung durchläuft.

Und auch zum Geschäftsführer findet sich ein einheitliches Meinungsbild beim Barthel-Nachwuchs. „Er ist ein jugendlicher Chef und sehr präsent im Unternehmen. Seine Tür steht immer offen, das gefällt mir“, lobt Fatlum Morina, der gerade vor Kurzem seine Ausbildung zum Industriekaufmann beendet hat.

Aktueller Blick in norddeutsche Betriebe

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Lothar Steckel
Autor

Als Geschäftsführer einer Bremer Kommunikationsagentur weiß Lothar Steckel, was Nordlichter bewegt. So berichtet er für aktiv seit mehr als drei Jahrzehnten vor allem über die Metall- und Elektro-Industrie, Logistik- und Hafenwirtschaft, aber auch über Kultur- und Freizeitthemen in den fünf norddeutschen Bundesländern.

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