Die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland hat sich in den vergangenen sechs Monaten weiter verschlechtert. Das belegt die jüngste Herbst-Konjunkturumfrage von Nordmetall, AGV Nord und den Arbeitgeberverbänden in Bremen, Oldenburg sowie Ostfriesland, an der sich 141 Mitgliedsbetriebe mit insgesamt rund 84.000 Beschäftigten beteiligten.

„Die Lage ist nach wie vor sehr kritisch“, resümiert Nordmetall-Präsident Folkmar Ukena. „Wir gehen nun schon ins vierte Rezessionsjahr und die Hoffnung auf ein Ende der Krise ist sehr schwach – nicht nur wegen der volatilen internationalen Situation, sondern auch wegen der unverändert schlechten nationalen Rahmenbedingungen.“

Eine Verbesserung der Geschäftslage im kommenden halben Jahr erwarten lediglich 17 Prozent der befragten Unternehmen, im Frühjahr 2025 waren es noch 21 Prozent. 60  Prozent rechnen mit gleicher Geschäftslage, 23 Prozent mit einer Verschlechterung.

„Wir gehen nun schon ins vierte Rezessionsjahr“

Folkmar Ukena, Unternehmer und Präsident des Arbeitgeberverbands Nordmetall

In Schleswig-Holstein rechnen sogar 28 Prozent mit einer negativen Entwicklung, in Mecklenburg-Vorpommern nur 14 Prozent. 40 Prozent der Firmen leiden unter Auftragsmangel, der höchste Wert seit Anfang 2021.

Als besonders erschwerende Faktoren werden die Arbeitskosten (83 Prozent) gewertet, gefolgt von der Bürokratie (66 Prozent), den Energiekosten (60 Prozent) und der internationalen Politik (59 Prozent). Eine schlechte oder unbefriedigende Verfügbarkeit von Fachkräften melden 51 Prozent der Unternehmen, 7 Prozent weniger als im Frühjahr.

Wenn die Politik nicht handelt, droht weitere Abwanderung

Besonders alarmierend: Jeder vierte Betrieb plant derzeit Produktionsverlagerungen ins Ausland, ein Allzeit-Höchstwert seit Erhebungsbeginn im Jahr 2008. Besonders hoch ist der Wert im Maschinen- sowie im Luft- und Raumfahrzeugbau, hier erwägen rund zwei Drittel der befragten Betriebe eine Verlagerung ins Ausland.

Folkmar Ukenas Fazit: „Die wichtigsten Stellschrauben hat die Politik tatsächlich alle selbst in der Hand. Wenn die Bundesregierung nicht rasch für niedrigere Energiepreise mit ausreichenden Netzwerkkapazitäten, beherrschbare Arbeitskosten durch reformierte Sozialversicherungen, eine Reduktion der Unternehmensteuern, bessere Bildung und massiven Bürokratieabbau sorgt, wird das die Abwanderung ins Ausland weiter befördern.“

Clemens von Frentz
Leiter aktiv-Redaktion Nord

Der gebürtige Westfale ist seit über 35 Jahren im Medienbereich tätig. Er studierte Geschichte und Holzwirtschaft und volontierte nach dem Diplom bei der „Hamburger Morgenpost“. Danach arbeitete er unter anderem bei n-tv und „manager magazin online“. Vor dem Wechsel zu aktiv im Norden leitete er die Redaktion des Fachmagazins „Druck & Medien“. Wenn er nicht in den fünf norddeutschen Bundesländern unterwegs ist, trainiert er für seinen dritten New-York-Marathon.

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