Deutschlands Industrie wartet weiter auf die von der Regierung angekündigten Reformen und ihre positiven Effekte, aber bislang ist davon wenig zu spüren. Das belegt die jüngste Frühjahrs-Konjunkturumfrage von Nordmetall, AGV Nord und den Arbeitgeberverbänden in Bremen, Oldenburg sowie Ostfriesland, an der 152 Mitgliedsbetriebe mit rund 106.400 Beschäftigten teilnahmen.

152 Mitgliedsfirmen nahmen an der Umfrage teil

„Die Krise der Industrie geht ins vierte Jahr und ein Ende der Rezession ist immer noch nicht in Sicht“, so Nordmetall-Präsident Folkmar Ukena. „Weiter gestiegene Energie- und Materialpreise, steigende Arbeitskosten, die unvermindert schwierige Weltlage und die kaum verbesserten nationalen Rahmenbedingungen lassen keine Hoffnung aufkommen.“

Mehr zum Thema

Selbst eine Erhöhung der Preise bringt wenig

Die Kapazitätsauslastung der norddeutschen M+E-Industrie sank auf einen Minimalwert von 81,4 Prozent, der nur während der Coronakrise vor fünf Jahren und der Finanzkrise 2009/2010 noch unterboten wurde. 41 Prozent der befragten Betriebe sehen sich nicht mehr in der Lage, Kostensteigerungen mit Preiserhöhungen aufzufangen.

Die aktuelle Geschäftslage beurteilt fast jeder dritte Betrieb als unbefriedigend oder schlecht, fast genauso viele wie im Herbst 2025. 36 Prozent der Firmen leiden unter Auftragsmangel, wobei sich bei der Betrachtung einzelner Branchen ein heterogenes Bild ergibt: Während die Lage bei Schiff-, Luft- und Raumfahrzeugbau noch relativ gut ist, klagen rund 50 Prozent der Elektrotechnikbetriebe und der Hersteller von Metallerzeugnissen über zu geringe Aufträge. Bei den Gießereien sind es sogar 63 Prozent.

36 Prozent der Betriebe haben zu wenig Aufträge

Viele Unternehmen erwägen Verlagerung

Besserung ist derzeit nicht in Sicht. 66 Prozent der Betriebe erwarten in den kommenden sechs Monaten eine Verschlechterung der Geschäftslage.

66 Prozent glauben, dass die Geschäftslage schlechter wird

Den Personalbestand verringern wollen in den kommenden drei Monaten 21 Prozent der Unternehmen. 51 Prozent wollen die Zahl ihrer Beschäftigten nicht verändern, 28 Prozent erhöhen. Im Gesamtsaldo ergibt sich ein Einstellungsbedarf von rund 1.800 Personen.

Die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland hat sich nach dem Urteil von mittlerweile 57 Prozent der norddeutschen Industrieunternehmen in den vergangenen sechs Monaten verschlechtert (Herbst: 52 Prozent).

Weiterhin plant jeder vierte Betrieb Produktionsverlagerungen ins Ausland, eine Wiederholung des Allzeit-Höchstwerts vom Herbst seit Erhebungsbeginn im Jahr 2008.

Clemens von Frentz
Leiter aktiv-Redaktion Nord

Der gebürtige Westfale ist seit über 35 Jahren im Medienbereich tätig. Er studierte Geschichte und Holzwirtschaft und volontierte nach dem Diplom bei der „Hamburger Morgenpost“. Danach arbeitete er unter anderem bei n-tv und „manager magazin online“. Vor dem Wechsel zu aktiv im Norden leitete er die Redaktion des Fachmagazins „Druck & Medien“. Wenn er nicht in den fünf norddeutschen Bundesländern unterwegs ist, trainiert er für seinen dritten New-York-Marathon.

Alle Beiträge des Autors