Die 2022 in Berlin ausgerufene „Zeitenwende“ im Zusammenhang mit der deutschen Wehrtechnik entfaltet ihre Wirkung: Gleich drei große Player der Rüstungsindustrie haben derzeit Pläne für einen Börsengang.

Am konkretesten ist das Vorhaben beim Kieler Unternehmen TKMS (früher Thyssenkrupp Marine Systems). TKMS ist ein führender Hersteller von U-Booten, Fregatten und anderen Marineschiffen. Zu der Werft gehören unter anderem der neue Standort in Wismar, die Bremer Atlas Elektronik GmbH und deren Tochter Hagenuk Marinekommunikation in Flintbek.

Mehr Flexibilität und finanzielle Mittel

Die Aktionäre des Mutterkonzerns haben den Börsengang der Marinesparte, die erst 2005 von Thyssenkrupp übernommen wurde, nun offiziell beschlossen. Die Abspaltung soll dem Management unter Leitung von CEO Oliver Burkhard mehr Flexibilität verschaffen, um das Wachstum zu finanzieren und sich als eigenständiges Konstrukt weiterzuentwickeln. Offen ist noch, ob und wie der Bund sich als „Ankerinvestor“ an dem Unternehmen beteiligt.

Auch die ehemalige Jenoptik-Tochter Vincorion, spezialisiert auf mechatronische Systeme in der Wehrtechnik, erwägt den Gang an die Börse. Das Unternehmen, das seine Zentrale in Wedel bei Hamburg hat und vom britischen Investor Star Capital Partners kontrolliert wird, will durch das Listing frisches Kapital für Wachstum und Akquisitionen generieren. Vincorion fertigt unter anderem Systeme zur Energieversorgung und Stabilisierung für gepanzerte Fahrzeuge und Luftfahrtanwendungen.

KNDS-Tochter mit Sitz im Hamburger Hafen

Ein weiterer Börsenkandidat ist der deutsch-französische Panzerhersteller KNDS, der aus der Fusion von Krauss-Maffei Wegmann und Nexter hervorging. Der Zeitpunkt scheint günstig, da die Nachfrage nach Artillerie und Panzern momentan massiv steigt.

Zu dem Konzern gehört unter anderem die KNDS Deutschland Steel Constructions GmbH, deren Geschichte eng mit der Hamburger Werft Blohm+Voss (B+V) verbunden ist, die zwischenzeitlich von Lürssen übernommen wurde. Heute ist die KNDS-Tochter, die ihren Sitz nach wie vor im Hamburger Hafen hat, ein Kompetenzzentrum für die Bearbeitung von Panzerstahl und die Herstellung von Fahrzeuggehäusen aus vergüteten Sonderstählen sowie tragenden Strukturen.

Clemens von Frentz
Leiter aktiv-Redaktion Nord

Der gebürtige Westfale ist seit über 35 Jahren im Medienbereich tätig. Er studierte Geschichte und Holzwirtschaft und volontierte nach dem Diplom bei der „Hamburger Morgenpost“. Danach arbeitete er unter anderem bei n-tv und „manager magazin online“. Vor dem Wechsel zu aktiv im Norden leitete er die Redaktion des Fachmagazins „Druck & Medien“. Wenn er nicht in den fünf norddeutschen Bundesländern unterwegs ist, trainiert er für seinen dritten New-York-Marathon.

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