Wochenlange Flucht zu Fuß
Es ist ein weiter Weg von Westsyrien in den Nordwesten Deutschlands. Rund 4.000 Kilometer, eine Strecke, die man mit dem Auto in 40 Stunden schaffen kann. Aber Abdullah Kaimeh hatte kein Auto, als er seine Heimatstadt Hama 2016 verlassen musste, um nach Europa zu fliehen. Er kam allein auf der sogenannten Balkanroute über die Türkei, Serbien und Mazedonien und musste wochenlang laufen, ehe er schließlich die deutsche Grenze erreichte.
Nette Kollegen bei Unitron
Heute, zehn Jahre später, arbeitet er im niedersächsischen Schortens beim Mittelständler Unitron, der 1977 gegründet wurde und sich auf Schweißtechnik und -Zusatzwerkstoffe spezialisiert hat. „Hier bin ich sehr glücklich“, sagt der 32-Jährige. „Die Kollegen sind alle nett und die Arbeit macht großen Spaß.“
Die Stelle bei Unitron fand Abdullah mithilfe einer Betreuerin, die ihn seit 2017 unterstützt. Sie googelte im Internet nach geeigneten Firmen und stieß dabei auf den friesischen Familienbetrieb, der von den Brüdern Manfred Siebert-Diering und Nico Hans Siebert geleitet wird.
Über ein Praktikum zur Festanstellung
Die beiden boten ihm die Chance, nach der Abdullah Kaimeh gesucht hatte. „Ich habe dort zunächst ein fünfwöchiges Praktikum gemacht“, erzählt er, „und dann bekam ich die Zusage für eine Festanstellung. Nun arbeite ich im Lager von Unitron.“
Der tägliche Arbeitsweg ist lang, weil Abdullah in Wilhelmshaven wohnt und derzeit noch auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist. Und weil es in Schortens keine passende Busverbindung zwischen dem Bahnhof und dem Sitz von Unitron gibt, muss Abdullah die letzten Kilometer zu Fuß laufen. „Das ist aber kein Problem“, sagt er. „Ich bin gern an der frischen Luft und mag es, mich zu bewegen.“
In Wilhelmshaven wohnt er mit seiner Ehefrau, die ebenfalls aus Syrien stammt und vor zwei Jahren nach Deutschland kam. Das junge Paar hat einen kleinen Sohn, der mittlerweile acht Monate alt ist und bald laufen lernt.
Und wie denkt Abdullah über die Option, eines Tages in die alte Heimat Syrien zurückzukehren? „Nein, das plane ich nicht“, sagt er. „Ich habe dort zu viele schlimme Dinge erlebt. Mein neues Zuhause ist jetzt hier.“
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Der gebürtige Westfale ist seit über 35 Jahren im Medienbereich tätig. Er studierte Geschichte und Holzwirtschaft und volontierte nach dem Diplom bei der „Hamburger Morgenpost“. Danach arbeitete er unter anderem bei n-tv und „manager magazin online“. Vor dem Wechsel zu aktiv im Norden leitete er die Redaktion des Fachmagazins „Druck & Medien“. Wenn er nicht in den fünf norddeutschen Bundesländern unterwegs ist, trainiert er für seinen dritten New-York-Marathon.
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