Manchmal ist es ein Aha-Moment, der die Weichen stellt bei der Berufswahl. Einen solchen erlebte der Rostocker Piet-Jari Baumann als 14-jähriger Segelsportler. „Mein Crewpartner und ich hatten bei einem Törn das Boot beschädigt und unser Trainer, ein Bootsbauer, half uns bei der Reparatur. Seine handwerklichen Fertigkeiten beeindruckten mich enorm. Da stand fest: Ich werde auch Bootsbauer.“
Ein Traditionsberuf mit Zukunftsperspektiven
So kam er zu Tamsen Maritim in Rostock, wo er nun im zweiten Lehrjahr eine Ausbildung zum Bootsbauer absolviert. Ein traditioneller Beruf, der in der Werft, die sich auf Reparatur und Wartung sowie den Neubau mittelgroßer Marine-, Behörden- und Spezialschiffe fokussiert hat, weiterhin gefragt ist. Obwohl die meisten dieser Schiffe aus Stahl oder Aluminium gefertigt sind, fallen an Bord viele Aufträge für die Bootsbauer, Zimmermänner und Tischler der Werft an.
Wie sich ein Boot anfühlt, wie es zu handhaben ist, erfuhr Piet-Jari schon als Kind. Der Opa besaß ein schmuckes Segelboot, mit dem Vater und Sohn oft auf dem Wasser unterwegs waren. Später nahm ihn ein Freund mit zum Rostocker Seglerverein Citybootshafen 92 (RSC), der im Stadthafen ansässig ist.
Der ersten Regatta 2017 in der Anfängerklasse „Optimist“ folgte ein Jahr später der Umstieg in die „Cadet“-Klasse, in der er fortan mit seinem Sportsfreund Quinton Kalg an Wettbewerben teilnahm. Beide sind heute noch bei nationalen und internationalen Regatta-Events dabei, segeln die 420er-Jolle und die „Pirat“-Klasse.
Als angehender Bootsbauer ist Piet-Jari im Verein jetzt oft gefragt, wenn es darum geht, kleinere Reparaturen zu erledigen und den jüngeren Sportlern zu helfen. „Eine Stunde auf dem Wasser bedeutet in unserem Sport, sich auch an Land eine Stunde mit dem Boot zu beschäftigen.“ Leinen und Segel müssen geordnet, die Rümpfe gepflegt und hier und da Farbe aufgetragen werden. Piet-Jari leitet inzwischen in zweiter Saison als Trainer die Segelkids an, wie er seine Schützlinge nennt. Gemeinsam mit Quinton betreut er rund ein Dutzend Kinder.
Strahlende Kids bei der Siegerehrung
Das ehrenamtliche Engagement ist eine zusätzliche Herausforderung und auch Anstrengung. Zweimal pro Woche schwingt sich Piet-Jari nach Feierabend aufs Rad und nimmt die Fähre von Gehlsdorf, um pünktlich um 16.30 Uhr im Seglerverein zu sein. Dort schließt sich jeweils ein vierstündiges Training an.
Etwa alle zwei Wochen ist er zudem am Wochenende mit den Kids zu Regatten unterwegs. Das alles schlaucht mitunter sehr, sei aber sofort vergessen, „wenn du siehst, mit welchen strahlenden Augen die Kinder am Ende ihre Urkunden und Pokale entgegennehmen“.
Erst Praktikum, dann Abi und Ausbildung
Die Segelkids hätten auch den Ausschlag gegeben, warum er seinen Beruf unbedingt in Rostock erlernen wollte. Da dies nur bei Tamsen Maritim möglich gewesen sei, habe er Anfang 2024 im Unternehmen ein Praktikum absolviert und wenig später nach dem Abitur den Ausbildungsvertrag unterschrieben.
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