Ende 2025 präsentierte die ARD eine aufwendig produzierte Serie über den Ölboom in der Lüneburger Heide um das Jahr 1900. „Schwarzes Gold“ hieß der Western, der jedoch nicht im fernen Amerika spielt, sondern direkt bei uns vor der Haustür.

In einem kleinen Dorf unweit von Celle kommt es nach der Entdeckung von Erdöl zu tiefgreifenden sozialen Konflikten, als ein skrupelloser Großbauer das fette Geschäft wittert. Die Dreharbeiten der dörflichen Szenen fanden im Museumsdorf Hösseringen bei Uelzen statt, historisches Vorbild für das Heidedorf war die niedersächsische Gemeinde Wietze.

Hier befindet sich seit 1970 das Deutsche Erdölmuseum. Auf dem zwei Hektar großen Freigelände, dessen Kernstück das ursprüngliche Ölfeld ist, stehen mehrere noch funktionstüchtige Förderanlagen aus der damaligen Zeit. Sie wurden aufgrund ihrer Einzigartigkeit und ihres guten Zustands vor einigen Jahren unter Denkmalschutz gestellt.

Hier fand eine der weltweit ersten Ölbohrungen statt

Die Ölgewinnung in Wietze ist bereits seit 1652 bezeugt, zwei Jahrhunderte später wurde hier eine der ersten Ölbohrungen weltweit niedergebracht. Dies geschah 1858 – ein Jahr vor der berühmten Bohrung von Edwin Drake in Pennsylvania (USA), die oft fälschlicherweise als die weltweit erste bezeichnet wird.

Schließlich brach um 1899 ein regelrechtes „Ölfieber“ aus, das gravierende Folgen für die Kulturlandschaft und das Dorfleben hatte. Vieles davon findet sich in den Schilderungen des Heidedichters Herrmann Löns. Auf der sogenannten „Teufelsinsel“, wo damals der Bohrmeister Hasenbein eine Ölquelle erschloss, liegt heute das Museum. Direkt auf dem alten Ölfeld und in seiner Umgebung dokumentieren Fahrzeuge und Maschinen – darunter ein 54 Meter hoher, 2020 komplett sanierter Bohrturm der Firma Wintershall – die technische Entwicklung der Erdöl-Industrie bis in die 60er Jahre.

2023 wurde die Dauerausstellung komplett erneuert und inhaltlich erweitert. Darin erfährt man alles über den immer noch begehrten Rohstoff selbst, seine Entstehung, Förderung, Verarbeitung und Verwendung.

Aber auch die Risiken und gesellschaftlichen sowie ökologischen Folgen der Öl-Industrie kommen nicht zu kurz. Die Veränderung Wietzes zum „Klein-Texas in der Heide“ wird durch wandfüllende Fotos und Hörstationen anschaulich gemacht.

Besucher-Informationen

  • Öffnungszeiten und weitere Infos unter: erdoelmuseum.de
  • Ab dem 1. März ist das Museum täglich außer montags von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Für Gruppen werden auch Führungen angeboten. Der Besuch lohnt sich bei gutem und schlechtem Wetter.
Lothar Steckel
Autor

Als Geschäftsführer einer Bremer Kommunikationsagentur weiß Lothar Steckel, was Nordlichter bewegt. So berichtet er für aktiv seit mehr als drei Jahrzehnten vor allem über die Metall- und Elektro-Industrie, Logistik- und Hafenwirtschaft, aber auch über Kultur- und Freizeitthemen in den fünf norddeutschen Bundesländern.

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