Wer immer sich das Motto „Dein Tag, dein Weg!“ für den diesjährigen Girls’ Day ausgedacht hat, hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Denn für viele Jugendliche, die im April an dem Event teilnahmen, war der Tag auch mit einem langen Marsch über weitläufige Werkgelände und durch große Gebäude verbunden.
Beispielsweise in Achim-Uphusen unweit von Bremen bei dem Aluminium-Spezialisten Hydro Extrusion. Hier gab es für die Kids zunächst eine Präsentation über das Werk und anschließend ging es in die Produktion, wo auf mächtigen Strangpressen diverse Alu-Profile hergestellt werden.
Großes Interesse bei den jungen Gästen
Organisiert wurde der Tag von vier Azubis, die das Programm gemeinsam ausgearbeitet hatten und die jungen Gäste durch den Tag begleiteten. Die waren mit großem Interesse bei der Sache und hörten beeindruckt zu, als ihnen das Funktionsprinzip der Pressen erklärt wurde.
Und wie in den meisten anderen Betrieben bestand die Gruppe nicht nur aus Mädchen, denn der Girls’ Day, der erstmals 2001 stattfand, hat sich seither stetig weiterentwickelt.
Während es anfangs darum ging, Mädchen für technische Berufe zu begeistern, gab es einige Jahre später auch den Boys’ Day, der Jungen ermöglichen soll, Berufe in den Bereichen Soziales, Erziehung und Pflege kennenzulernen.
Aus diesem Grund läuft das Event mittlerweile oft unter dem Begriff „Zukunftstag“, wobei den Unternehmen freigestellt ist, wie sie den Schwerpunkt setzen.
Eine „Zwitscherbox“ mit Vogelstimmen
Der Schweriner Luftfahrtzulieferer Mubea Aviation etwa hatte diesmal ausschließlich Mädchen zu Gast. Der Betrieb, der Strukturbauteile für Flugzeugbauer fertigt, begrüßte zehn Schülerinnen in seinem Werk.
Das Unternehmen beteiligte sich zum zweiten Mal am Girls’ Day und ist überzeugt von der Wirkung des Angebots. Ausbildungsleiter Hannes Dobbert, der derzeit insgesamt zwölf Azubis betreut, sieht „durchaus technisches Interesse bei Mädchen“.
Auf Berufsmessen oder in Praktika werde dies immer wieder deutlich, und der Girls’ Day sei eine sehr gute Hilfe bei der beruflichen Orientierung.
„Positive Erlebnisse wie der Girls’ Day fördern das Interesse an technischen Berufen“
Christoph Luderer, Siemens
Ähnlich sieht es Christoph Luderer, Ausbildungsleiter bei Siemens in Hamburg. Auf die 13 Schülerinnen, die sich in seinem Betrieb eingefunden hatten, wartete eine ganz besondere Aufgabe: der Bau einer „Zwitscherbox“ aus Holz, die dank einer speziellen Elektronik im Inneren muntere Vogelstimmen ertönen lässt.
Luderer: „Die Mädels konnten bei uns einen tollen und aufschlussreichen Tag erleben und ihr Feedback war durchweg positiv. Positive Erlebnisse wie diese bauen Barrieren ab und fördern das Interesse an technischen Berufen.“
Auch in Kiel gab es zahlreiche M+E-Betriebe, die sich am Girls’ Day beteiligten. Einer von ihnen: der Pumpenbauer Edur, der rund 120 Mitarbeiter beschäftigt und im nächsten Jahr seinen 100. Geburtstag feiert. Das Unternehmen hatte für die vier Schülerinnen, die an diesem Tag dort waren, ein abwechslungsreiches Programm vorbereitet, das bei den Mädchen sehr gut ankam.
Es gab nicht nur eine Präsentation, eine Führung und Pizza für alle, sondern auch die Möglichkeit, ein kleines Mühlespiel aus Metall zu bauen. „Das war echt spannend“, sagte eine Teilnehmerin. „Ich habe vorher noch nie gebohrt, gefeilt oder gefräst, aber trotzdem hat alles geklappt. Das macht mich schon ein bisschen stolz!“
„Für viele Kids war dieser Tag ein echtes Aha-Erlebnis, das wohl noch lange nachwirken wird“
Annette Halstrick, Philips
Eine praktische Aufgabe wartete auch auf die 16 Mitarbeiterkinder, die bei Philips durch das Unternehmen in der Hamburger Röntgenstraße geführt wurden.
Annette Halstrick aus der Kommunikationsabteilung: „Die Kids konnten in der Lehrwerkstatt einen elektronischen Schüttelwürfel bauen. Das war für viele von ihnen die erste Berührung mit einem Handwerk und ein starkes Aha-Erlebnis, das wohl noch lange nachwirken wird. Danach sind wir in unsere Katakomben gegangen und haben uns die Test-Sites für die Computertomografen angesehen. Und zum Schluss gab es Hotdogs für alle.“
Praktische Erfahrungen statt trockener Theorie
Gut informiert und verpflegt wurden auch die Schülerinnen und Schüler, die den Wärtsilä-Standort auf der Hamburger Elbinsel besuchten. Wärtsilä ist international in der Schifffahrts- und Energietechnik tätig; in Hamburg werden Schiffsmotoren gewartet und repariert.
Das Programm, ausgearbeitet und betreut von den Azubis, begann nach der Begrüßung mit der Vorstellung des Unternehmens und seiner Ausbildungsberufe. Danach gab es erst mal ein ordentliches Frühstück.
Im Anschluss konnten die Jugendlichen dann an Mitmach-Stationen ihr Geschick erproben und einen Schlüsselanhänger fertigen. Als das Programm um 14 Uhr endete, waren sich alle einig: Es war ein rundum gelungener Tag, der interessante Einblicke in die Arbeitswelt der Metall- und Elektro-Industrie ermöglichte.
Spannend war auch das Programm, das vom Norderstedter Medizintechnik-Spezialisten Waldemar Link vorbereitet worden war. Rund 20 Schülerinnen und Schüler konnten hier erleben, wie künstliche Knie- und Hüftgelenke produziert werden. Besonders begeistert waren die Jugendlichen davon, dass sie eigene Ideen für mögliche Implantate entwickeln und diese kreativ mit Papier umsetzen konnten.
Positives Fazit von Ministerin Karin Prien
Bundesweit beteiligten sich an dem Berufsorientierungstag diesmal mehrere Zehntausend Unternehmen, die rund 180.000 Plätze für Schülerinnen und Schüler anboten.
Bundesjugendministerin Karin Prien: „Über die Rekordbeteiligung bei den Angeboten für die Jungs in diesem Jahr freue ich mich ganz besonders. Wenn Jugendliche die Arbeitswelt ganz praktisch erleben, öffnen sich neue Perspektiven – jenseits von Klischees und vertrauten Wegen. Sie können Berufe entdecken, die sie vorher vielleicht nie für sich in Betracht gezogen hätten, ohne festgelegte Rollenbilder.“
Das Datum für den nächsten Girls’ Day beziehungsweise Zukunftstag steht bereits fest, er findet am 22. April 2027 statt. Unter girls-day.de gibt es weitere Infos und Anmeldemöglichkeiten.
Aktueller Blick in norddeutsche Betriebe
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Der gebürtige Westfale ist seit über 35 Jahren im Medienbereich tätig. Er studierte Geschichte und Holzwirtschaft und volontierte nach dem Diplom bei der „Hamburger Morgenpost“. Danach arbeitete er unter anderem bei n-tv und „manager magazin online“. Vor dem Wechsel zu aktiv im Norden leitete er die Redaktion des Fachmagazins „Druck & Medien“. Wenn er nicht in den fünf norddeutschen Bundesländern unterwegs ist, trainiert er für seinen dritten New-York-Marathon.
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