Sie haben programmiert, mit 3D-Druckern gearbeitet, gelötet, mikroskopiert und jede Menge Erfahrungen in der Metall- und Elektro-Industrie (M+E) gesammelt: Rund 170 Mädchen aus Lübeck und Bremen haben sich ein Jahr lang im Rahmen von Projekttagen, Workshops und Betriebspraktika mit MINT-Themen auseinandergesetzt und in technische Berufe hineingeschnuppert. Bei Dräger in Lübeck und im Bremer Rathaus wurden die Schülerinnen nun für ihre Teilnahme am Projekt „MINT4girls“ geehrt.

Die Initiative wurde bereits zum vierten Mal von den Arbeitgeberverbänden Nordmetall und AGV Nord, den Unternehmensverbänden im Land Bremen und den Arbeitsagenturen Bremen-Bremerhaven sowie Lübeck gefördert und von den jeweiligen regionalen Bildungswerken der Wirtschaft durchgeführt. Ziel ist es, Mädchen aus den Klassen acht und neun für MINT zu begeistern. Das Projekt will das Selbstvertrauen der jungen Frauen fördern, berufliche Perspektiven eröffnen und realistische Einblicke in die moderne Arbeitswelt der M+E-Industrie ermöglichen.

Das gelingt vor allem über praktische Erfahrungen, die die Girls in den teilnehmenden M+E-Betrieben sammeln konnten. So durften sie beispielsweise bei Dräger selbstständig blinkende Figuren aus LEDs zusammenlöten und programmieren.

Das lief richtig gut, wie Carla Ebel berichtet: „Obwohl die meisten Schülerinnen vorher kaum mit Elektrotechnik oder Technik im Allgemeinen in Berührung gekommen waren, haben sie bei uns mit Neugier und Begeisterung die Aufgaben gelöst“, erzählt die Elektrotechnik-Dualstudentin bei Dräger.

„Role models“ aus der M+E-Industrie

Ein wichtiges Ziel des Projekts ist es, eine klischeefreie Berufsorientierung zu ermöglichen, sagt Imke Kuhlmann, Referentin Nachwuchsgewinnung, Bildung, Arbeitsmarkt, Fachkräfte bei Nordmetall und AGV Nord. „Oft denken Mädchen, Tätigkeiten in der Industrie würden nicht zu ihnen passen“, so Kuhlmann. „Doch junge Frauen sind mindestens ebenso gut für eine technische Ausbildung oder ein Studium geeignet wie junge Männer.“

„Es geht darum, den Schülerinnen eine klischeefreie Berufsorientierung zu ermöglichen“

Imke Kuhlmann, Referentin Nachwuchsgewinnung, Bildung, Arbeitsmarkt, Fachkräfte bei Nordmetall und AGV Nord

Entscheidend für eine selbstbewusste und offene Berufsorientierung der Schülerinnen sei das praktische Kennenlernen der M+E-Unternehmen und MINT-Berufe. Genau das leiste MINT4girls.

Das Projekt baut zudem Hemmschwellen ab und bringt die jungen Frauen mit weiblichen Vorbildern in Kontakt. Zu diesen „Role models“ gehört Ina Krüger. Die 23-jährige Lübeckerin lernt bei der Firma Mankenberg den Beruf der Industriemechanikerin.

Nach ihrer Einschätzung ist es besonders wichtig, für die Mädchen Berührungspunkte zu technischen Berufen zu schaffen. In der Schule sei das oft nicht der Fall, im Gegenteil. An Gymnasien werde noch häufig dazu geraten, ein Studium aufzunehmen.

„Dabei ist eine Berufsausbildung genauso überlegenswert“, sagt Ina Krüger. Daher rät sie den Mädchen, sich vor der Entscheidung für ein Studium oder eine Ausbildung erst einmal auszuprobieren. „Ich habe mehrere Praktika gemacht und habe dabei meinen Berufsweg entdeckt.“

Nach den Sommerferien soll das erfolgreiche Projekt fortgesetzt werden.

Lothar Steckel
Autor

Als Geschäftsführer einer Bremer Kommunikationsagentur weiß Lothar Steckel, was Nordlichter bewegt. So berichtet er für aktiv seit mehr als drei Jahrzehnten vor allem über die Metall- und Elektro-Industrie, Logistik- und Hafenwirtschaft, aber auch über Kultur- und Freizeitthemen in den fünf norddeutschen Bundesländern.

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