Alarmierende Zahlen aus der Metall- und Elektro-Industrie in den fünf norddeutschen Bundesländern: Trotz der jüngsten Konjunktur-Abkühlung gibt es hier immer noch einen großen Mangel an MINT-Fachkräften.

Die Innovationsfähigkeit ist nachhaltig gefährdet

„Wir brauchen strategische Maßnahmen entlang der gesamten Bildungskette“ 

Thomas Küll, Mitglied der Geschäftsleitung der Arbeitgeberverbände Nordmetall und AGV Nord

In Zahlen: Aktuell können rund 30.000 Arbeitsplätze in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik nicht besetzt werden. 

Bundesweit sind es fast 134.000 Arbeitsstellen. Das zeigt der neue MINT-Report des Instituts der deutschen Wirtschaft.

„Die M+E-Industrie ist zentral für die Technologie-, Innovations- und Verteidigungsfähigkeit unseres Landes“, erklärt Thomas Küll, Mitglied der Geschäftsleitung der Verbände Nordmetall und AGV Nord. „Deshalb müssen wir nun Rahmenbedingungen schaffen, die unsere Unternehmen dabei unterstützen, international wettbewerbsfähig zu bleiben. Schlanke Prozesse und eine strategisch angelegte MINT-Fachkräftesicherung haben in diesem Zusammenhang oberste Priorität.“

Eine Frage der richtigen Strategie

Seine Forderung: „Politik und Verwaltung müssen die ‚Gießkannendenke‘ und das Agieren in Kleinstprozessen überwinden. Mit Blick auf die MINT-Bildung existieren bereits sehr gute, regional passende Projekte und Kooperationen. Schulen, Hochschulen und Unternehmen in diesen Regionen brauchen Freiräume zum eigenen Handeln.“

Die MINT-Fachkräftelücke setzt sich bundesweit wie folgt zusammen: 58 Prozent fehlen bei Facharbeiterinnen und Facharbeitern mit dualer Ausbildung, 33 Prozent bei Akademikerinnen und Akademikern, 9 Prozent bei Meisterinnen und Meistern sowie Technikerinnen und Technikern.

Energie und Elektro am stärksten betroffen

Die größten Engpässe gibt es in Energie- und Elektroberufen (48.900), in der Metallverarbeitung (26.500), im Bau (26.400) sowie in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik (22.900).

Küll: „Das zeigt, dass wir strategische Maßnahmen entlang der gesamten Bildungskette und auf allen Bildungsniveaus brauchen: eine praxisorientierte Berufsorientierung, eine verlässliche Ganztagsbetreuung und eine wirksame Integrationskultur für Fach- und Führungskräfte aus dem Ausland.“

Die Lage habe sich im Vergleich zum Vorjahr marginal verbessert. Küll: „Doch das reicht nicht. Unbesetzte Stellen gefährden weiterhin Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit.“

Clemens von Frentz
Leiter aktiv-Redaktion Nord

Der gebürtige Westfale ist seit über 35 Jahren im Medienbereich tätig. Er studierte Geschichte und Holzwirtschaft und volontierte nach dem Diplom bei der „Hamburger Morgenpost“. Danach arbeitete er unter anderem bei n-tv und „manager magazin online“. Vor dem Wechsel zu aktiv im Norden leitete er die Redaktion des Fachmagazins „Druck & Medien“. Wenn er nicht in den fünf norddeutschen Bundesländern unterwegs ist, trainiert er für seinen dritten New-York-Marathon.

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