Den sprichwörtlichen Vogel abgeschossen hat die Kohlmeise, für sie gibt es künftig viele smarte Nistkästen in Hamburg. Gebaut haben sie 23 Stadtteilschüler im Rahmen eines Praktikums. Das ging über Sägen und Schrauben weit hinaus: Die Jugendlichen mussten sich zunächst Gedanken machen über die Vogelart, die bei ihnen einziehen sollte. Daraus folgte alles Weitere: die Größe des Fluglochs, das Baumaterial und Überlegungen zur Temperatur und zur Luftqualität im Kasten, die sie messen wollen.

Dafür mussten sie einen Mikrocontroller programmieren und verschiedene 3D-Teile entwerfen und drucken. Das gehörte zum Hauptprogramm in der Zentralwerkstatt der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg, das durch Einblicke etwa in das Labor für Zerspanungstechnik, für Robotik und technikgetriebene Unternehmen erweitert wurde. Unter anderem besuchten die Schüler Airbus und befragten Azubis zu ihrem Arbeitsalltag.

Technikfokussiert und firmenübergreifend

Ganz schön viel Technik für ein dreiwöchiges Programm, und genau das ist auch das Ziel von #MachMalTech. Das Hashtag steht für ein technikfokussiertes, firmenübergreifendes Praktikum, für das sich in Hamburg verschiedene Beteiligte aus den Bereichen Bildung, Wirtschaft und Behörden unter Koordination des Vereins HCAT+ zusammengeschlossen haben.

„Technik ist ein Werkzeugkasten, mit dem man coole Dinge erschaffen kann“

Birthe Wehleit, Referentin bei Airbus

Von Anfang an mit dabei ist Airbus. Das Unternehmen will Berührungsängste abbauen und stattdessen zeigen: „Technik ist ein Werkzeugkasten, mit dem man coole Dinge erschaffen und die Welt aktiv verändern kann“, so Birthe Wehleit, Referentin der Geschäftsführung bei Airbus.

Erfolgserlebnisse für die jungen Teilnehmer

Dass die meisten Kids mehr Zeit am Smartphone verbringen als beim Tüfteln und Bauen, ist bekannt. Dieses Phänomen hat allerdings Konsequenzen: Unternehmen scheuen den Aufwand eines Schulpraktikums, weil sie die jungen Leute nur mit viel Zeitaufwand einsetzen können; den Jugendlichen fehlen haptische Erfolgsmomente, das Selbstvertrauen und der Mut, sich in Technik, Handwerk und IT auszuprobieren.

Hier will #MachMalTech gegensteuern. Wehleit: „Der smarte Nistkasten erzielt einen größeren Lerneffekt als passive Beobachtungsphasen in der Werkstatt.“ Und auch die beteiligten Unternehmen profitierten: „Statt einer mehrwöchigen Betreuung reichen einzelne Tage aus, um mehrere potenzielle Bewerber persönlich kennenzulernen.“ Einen ersten Testlauf haben die beteiligten Partner kurz vor den Hamburger Sommerferien durchgeführt. 

Bewerben konnten sich Acht- und Neuntklässler der Stadtteilschulen Alter Teichweg und Wilhelmsburg mit Technikinteresse. Vorerfahrungen im 3D-Druck, im Programmieren und Handwerk wurden am ersten Programmtag abgefragt. „Wir haben möglichst interdisziplinäre Teams zusammengestellt“, sagt HCAT+-Projektverantwortliche Laura Wohnrath.

Der nächste Durchlauf ist bereits in Planung

Alle Teilnehmenden haben aber ihren eigenen Nistkasten gebaut. Dieses Mal waren 20 Jungen und nur 3 Mädchen dabei. Im nächsten Durchlauf sollen mehr Schülerinnen angesprochen werden, sagt Wohnrath. Vielleicht mit der Aussicht auf noch mehr Unternehmensbesuche, so zumindest der Wunsch der Jugendlichen. Auch die Programmverantwortlichen möchten weitere Unternehmen, Lernorte und Schulen einbinden.