Der Weg von Johannesburg nach Hamburg ist weit. Ziemlich weit. Mit dem Flugzeug sind es mindestens 14 Stunden, aber das hat Emma M. nicht von der Anreise abgehalten. Die 18-jährige Südafrikanerin kam nach ihrem Abitur Ende 2025 in die Hansestadt, weil es hier ein Angebot gibt, das in dieser Form nirgendwo anders zu finden ist.

Es wurde vor 15 Jahren unter dem Namen „proTechnicale“ entwickelt, richtet sich an deutsche und ausländische Abiturientinnen und ist ein Gap-Year-Programm zur Studien- und Berufsorientierung im MINT-Bereich.

Projektleiterin Wiebke Pomplun: „Die Idee stammt von dem Luftund Raumfahrttechniker Manfred Kennel. Ihm fiel regelmäßig auf, dass Frauen in seiner Branche stark unterrepräsentiert waren. Das wollte er ändern. So entstand proTechnicale. Das Programm soll junge Frauen nicht nur für Ingenieursberufe begeistern, sondern ihnen auch die Möglichkeit geben, schon vor dem Studium entsprechende Fähigkeiten zu entwickeln.“

Mehrere Praktika und Firmenbesuche

Um dieses Ziel zu erreichen, wird den Teilnehmerinnen, die in zwei Wohngemeinschaften in Hamburg untergebracht sind, eine Menge geboten. Sie absolvieren bis zu drei Praktika im In- und Ausland, gehen auf Exkursionen in Firmen und Hochschulen, vertiefen ihre MINT-Kenntnisse und entwickeln ihre Persönlichkeit. „Außerdem“, so Projektleiterin Pomplun, „sammeln sie durch das Wohnen in der WG wichtige Erfahrungen für ihr späteres Leben, denn für die meisten von ihnen ist es der erste längere Aufenthalt außerhalb des Elternhauses.“

Starthilfe durch ein starkes Netzwerk

Ein weiterer Vorteil des Programms ist das stetig wachsende Netzwerk von proTechnicale, von dem die Teilnehmerinnen profitieren. Wiebke Pomplun: „Nach mittlerweile 15 Jahren gibt es zahlreiche Ehemalige, die nun in verschiedenen Unternehmen und Einrichtungen tätig sind. Sie und andere Ansprechpartner in der Arbeitswelt helfen immer gerne mit Rat und Tat, wenn Bedarf besteht.“

Ein Großteil des Programms findet im Hamburger ZAL statt, dem Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung, das neben dem Airbus-Werk im Stadtteil Finkenwerder liegt und zu den weltweit modernsten Einrichtungen seiner Art zählt.

„Das ZAL ist seit Herbst 2025 der neue Träger von proTechnicale“, erzählt Pomplun. „Unsere bisherige Trägergesellschaft, die Sophia.T. gGmbH, bleibt uns weiterhin partnerschaftlich verbunden, worüber wir uns sehr freuen.“

Starke Einblicke in Forschungsprojekte

Die Zusammenarbeit mit dem ZAL ermöglicht den Teilnehmerinnen auch Einblicke in Forschungsprojekte, an denen dort gearbeitet wird. Unter anderem gibt es ein Labor, in dem Drohnen mit Wasserstoffantrieb entwickelt werden.

Robotik ist ebenfalls ein wichtiges Thema für die ZAL-Forscher. „Ich finde das sehr spannend“, sagt Emma M. „Hier konnte ich mir einen Roboterarm aus nächster Nähe ansehen. Das war in der Schule nicht möglich.“

Apropos Schule: Seit 2022 gibt es neben dem klassischen Programm auch ein Angebot namens „proTechnicale School“ – ein digitales Orientierungsprogramm für bis zu 20 Teilnehmerinnen ab Klasse zehn aus Deutschland und anderen Ländern.

Es ermöglicht Einblicke in MINT-Berufe und -Studiengänge, den Austausch mit gleichgesinnten Altersgenossinnen und einen persönlichen Kontakt zu Menschen, die bereits im Berufsleben stehen. Das Programm dauert jeweils fünf bis sechs Monate und findet zweimal jährlich statt. Der monatliche Zeitaufwand für die Teilnehmerinnen liegt bei etwa zehn Stunden.

Im März startet ein drittes Programm

Zusätzlich wird es ab März 2026 noch ein drittes Programm geben, wie Wiebke Pomplun verrät. Es heißt „proTechnicale Hamburg“ und richtet sich – wie der Name schon signalisiert – an Schülerinnen aus der Hansestadt und der Metropolregion. Pomplun: „Es vereint die Stärken der Programme Classic und School und bietet frühzeitige, praxisnahe Einblicke in technische Zukunftsfelder.“

Geplant sind ein wöchentlicher Austausch, Exkursionen zu Firmen und Hochschulen und ein monatlicher Intensiv-Workshop von jeweils vier Stunden. Und auch hier gibt es ein Mentoring-Programm mit Personen aus der Wissenschaft, aus dem Kreis der Ehemaligen und aus Unternehmen.

Projektleiterin Pomplun: „Wir haben bereits Zusagen von einigen Hamburger Firmen und sind offen für weitere Unternehmen, die sich an dem Programm beteiligen wollen.“

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Clemens von Frentz
Leiter aktiv-Redaktion Nord

Der gebürtige Westfale ist seit über 35 Jahren im Medienbereich tätig. Er studierte Geschichte und Holzwirtschaft und volontierte nach dem Diplom bei der „Hamburger Morgenpost“. Danach arbeitete er unter anderem bei n-tv und „manager magazin online“. Vor dem Wechsel zu aktiv im Norden leitete er die Redaktion des Fachmagazins „Druck & Medien“. Wenn er nicht in den fünf norddeutschen Bundesländern unterwegs ist, trainiert er für seinen dritten New-York-Marathon.

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