Der Marineschiffbauer TKMS wurde kürzlich von einer mächtigen Auftragswelle erfasst. Im Juli wurde bekannt, dass Kanadas Regierung das Kieler Unternehmen zum „bevorzugten Lieferanten“ von bis zu zwölf U-Booten machen will. Und kurz darauf beschloss der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags die Mittelfreigabe von 6,3 Milliarden Euro für vier Fregatten des modifizierten Typs Meko A-200 für die Deutsche Marine. Auch sie werden von TKMS geliefert. Vier weitere Schiffe sollen folgen.
Viele Länder sind an dem U-Boot interessiert
Bereits vor diesen beiden Mega-Deals hatte sich das Auftragsbuch von TKMS kontinuierlich mit milliardenschweren Bestellungen gefüllt. Maßgeblich für das Gesamtvolumen von über 20 Milliarden Euro sind zahlreiche Orders zum Bau von U-Booten des neuen Typs U212CD.
In einem ersten Aufschlag bestellten Deutschland zwei und Norwegen vier Exemplare dieses Modells. Das hochmoderne U212CD ist ein Gemeinschaftsprojekt beider Länder. Wenig später orderte der Bund vier weitere dieser U-Boote und Norwegen zog eine Option auf plus zwei Bestellungen. Zusätzliche Aufträge und Anfragen, auch für andere U-Boot-Typen, gibt es aus dem Ausland, unter anderem aus Singapur und Indien.
Qualität und Know-how gaben den Ausschlag
TKMS – einst die Marinesparte von ThyssenKrupp, heute eigenständig und börsennotiert – zählt weltweit zu den führenden Herstellern von modernen konventionellen U-Booten. Nach einem langen Auswahlprozess in Kanada überzeugten den nordamerikanischen Nato-Partner das Know-how und die Qualität des deutschen Produzenten.
„Wir nehmen Fahrt auf, was die Produktion angeht, und wir werden auch liefern“
Oliver Burkhard, Vorstandschef TKMS
Die zwölf U212CD-Boote sind das Kernstück im Canadian Patrol Submarine Project (CPSP). Kanada stärkt damit seine Verteidigungsfähigkeit insbesondere im arktischen Raum. Ein Aspekt, der auch Norwegen bewog, gemeinsam mit den Kielern ein U-Boot-Projekt zu initiieren, das für die spezifischen Bedingungen in polaren Gewässern ausgelegt ist.
Die Aufrüstung in diesem Bereich ordnet sich in die Bestrebungen Deutschlands und seiner Partner ein, den neuen sicherheitspolitischen Herausforderungen mit schlagkräftiger Militärtechnik zu begegnen. Bau und Lieferung der U-Boote für Kanada können sich für den Werftkonzern auf ein Auftragsvolumen von rund 37 Milliarden Euro summieren.
„Das ist der Beginn einer neuen Ära der Kooperation“
Bundeskanzler Friedrich Merz
Denn zum Deal gehört laut TKMS auch die Aufgabe, für die U-Boot-Flotte „ein eigenständiges kanadisches Instandhaltungsgeschäft zu entwickeln, die Personalentwicklung und den Kompetenztransfer zu fördern, inländische Lieferketten zu stärken“ sowie kanadische Firmen in „ein breiteres internationales Verteidigungsökosystem“ zu integrieren. Kanadas Premierminister Mark Carney hatte dies zur Bedingung gemacht.
Zukunftssichere Hightech-Arbeitsplätze
Im Land des Ahorns könnte so eine wirtschaftliche Gesamtaktivität im Wert von rund 104 Milliarden Euro generiert werden. Auf deutscher Seite ist der Blick ebenfalls auf die ökonomischen Auswirkungen gerichtet. So betonte beispielsweise der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM), dass mit dem Auftrag „zukunftssichere Hightech-Arbeitsplätze bei TKMS und vielen beteiligten Zuliefer- und Dienstleistungsfirmen für das nächste Jahrzehnt vorgehalten und weiter ausgebaut werden“.
Die 2022 von TKMS getroffene Entscheidung, die eigenen Kapazitäten mit der Übernahme der Werft in Wismar auszubauen, erwies sich laut VSM als „strategisch goldrichtig“. Dort werden derzeit 200 Millionen Euro in eine Druckkörper-Taktstraße für die Produktion von U-Booten investiert.
Wichtiger Beschluss vor der Sommerpause
Außerdem sollen in Wismar eventuell Fregatten gebaut werden. Die Weichen dafür sind gestellt: Anfang Juli genehmigte der Haushaltsausschuss des Bundestags in der letzten Sitzung vor der Sommerpause die Beschaffung von vier U-Boot-Jagd-Fregatten des Typs Meko A-200 DEU. Konkret geht es um eine Festbeauftragung zum Bau von vier Schiffen sowie um eine Option für vier weitere.
Eine gute Nachricht für TKMS, denn ursprünglich sollte die Marine den größeren Fregatten-Typ F126 erhalten. Doch dieser Plan wurde wieder aufgegeben, nachdem sich der Bau der geplanten sechs Exemplare in den Jahren nach der Auftragsvergabe 2020 an die niederländische Werftengruppe Damen Naval dramatisch verzögert hatte.
Das Fregatten-Projekt F126 wurde aufgegeben
Auch die zwischenzeitlich vom Verteidigungsministerium erwogene Fortführung des Projekts durch den Rüstungskonzern Rheinmetall, der zuvor die Marinesparte NVL von der Bremer Lürssen-Gruppe übernommen hatte, wurde nach eingehender Prüfung verworfen und das Vorhaben schließlich Mitte 2026 endgültig gestoppt. Nun wird sich die Marine-Sparte von Rheinmetall auf andere Projekte in diesem Bereich konzentrieren.
Aktueller Blick in norddeutsche Betriebe
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