Sie sind innovationsstark, exportorientiert, in ihrer Nische weltweit top und agieren meist unbeachtet von der Öffentlichkeit. Daher nennt man Unternehmen dieser Art „Hidden Champions“. Einer von ihnen ist der Mittelständler Stucke Elektronik aus Hamburg.

100 Mitarbeitende sind am Standort Hamburg für Stucke tätig

Die inhabergeführte Firma wurde 1968 gegründet und stieg Ende der 70er Jahre in die Entwicklung und Produktion von Steuer- und Schutzgeräten für Schiffsgeneratoren ein. Inzwischen ist das Unternehmen mit der vierten Gerätegeneration am Markt und arbeitet gerade an der fünften Auflage der Spezialprodukte.

Der Hidden Champion ist stetig gewachsen, auch in Corona-Zeiten

Schutz- und Steuergeräte werden benötigt, um einen zuverlässigen und effizienten Anlagenbetrieb zu gewährleisten. Die Komponenten schützen den Stromerzeuger und angeschlossene Verbraucher vor Schäden und sorgen für eine stabile Stromqualität. Daneben regeln die Geräte Spannung und Drehzahl der Motoren und sorgen in großen Anlagen für die unterbrechungsfreie Stromversorgung.

Die jüngste Serie der Stucke-Produkte soll 2027 in den Markt gebracht werden, sagt Geschäftsführer Maik Stövhase. Der 58-Jährige verweist gern darauf, dass die Firma immer finanziell unabhängig war, bis heute kommerziell erfolgreich agiert und stetig gewachsen ist, selbst in Corona-Zeiten.

Stövhase: „In den vergangenen drei Jahren haben wir die Mitarbeiterzahl hier am Standort um 30 Prozent gesteigert und expandieren weiter.“ Um das zu ermöglichen, hat das Unternehmen bereits zwei Grundstücke in der Nähe erworben und will dort bis 2027 weitere Fertigungs-, Büro- und Laborflächen von mehr als 5.000 Quadratmetern schaffen.

Auf die Energieversorgung muss man sich verlassen können

3.000 Solaranlagen arbeiten bereits mit Technik von Stucke

Der Erfolg der Firma hängt entscheidend von der Qualität, Zuverlässigkeit und Langlebigkeit der Geräte ab. „Und von der Flexibilität bei den Lieferzeiten“, so Stövhase. Zu den Kunden zählen Schiffbauer, Reedereien, Kraftwerksbetreiber und Energieversorger.

Sie alle legen größten Wert auf eine sichere Energieversorgung. „Das gewährleisten unsere Produkte weltweit und über lange Zeiträume hinweg“, betont der Chef.

Alle Produkte in Hamburg konstruiert und gefertigt

Wenn Schiffe beispielsweise über mehrere Jahrzehnte in Betrieb sind, müssen alle Komponenten langfristig funktionieren. Stövhase: „Wir können selbst über 30 Jahre alte Geräte reparieren und bei Bedarf auch vollständig ersetzen.“ Das sei ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal der Firma.

Besonders stolz ist das Unternehmen darauf, dass alle Produkte inklusive Software in Hamburg entwickelt und gefertigt werden. Daneben gibt es diverse Dependancen wie beispielsweise in China, Serbien, Indien und Korea. Aktuell sind weltweit rund 200 Beschäftigte für die Firma tätig.

Viele Kunden kommen aus dem Schiffbau

Rund zwei Drittel der Produktion gehen in den Schiffbau. Vor allem Schaltanlagenbauer und Werften in Korea und zunehmend auch in China setzen auf Qualität „made in Germany“. Im Bereich der Mittelspannungstechnik ist das Unternehmen Weltmarktführer bei Schutzgeräten für den Schiffbau.

In Zahlen: Mittlerweile sind auf mehr als 5.000 Passagier-, Handels- und Spezialschiffen Geräte von Stucke installiert. Auch im Offshore-Bereich sind die Komponenten im Einsatz.

Das restliche Drittel wird in Landanlagen eingesetzt. Während früher vor allem kritische Infrastruktur wie Kraftwerke, Kliniken und Flughäfen zu den Einsatzbereichen zählten, kommen inzwischen auch Serverparks und Rechenzentren dazu.

Ein weiteres Standbein ist der Markt der erneuerbaren Energien. So werden bereits große Solarfelder mit Stucke-Know-how gesteuert und geschützt. Derzeit arbeiten rund 3.000 PV-Anlagen sowie Wasser- und Blockheizkraftwerke und mehr als 1.000 Notstrom- und Energieersatzanlagen mit Technik aus Hamburg.

Neben dem Einsatz hochwertiger Komponenten, Baugruppen und Materialien von Zulieferern aus der Region ist die Fertigung durch bestens ausgebildete Fachkräfte ein wichtiger Erfolgsfaktor des Unternehmens. Thomas Seidel und Jens-Peter Ehrlich sind zwei von ihnen. Sie sind für Reparatur, Prüfung und Wartung der Geräte ebenso zuständig wie für deren Programmierung. Darüber hinaus überwachen sie den Stresstest, den jedes Produkt vor der Auslieferung durchlaufen muss.

Aufwendige Prüfung vor dem Versand

„Die Geräte kommen für 24 Stunden in einen Wärmeofen und werden Temperaturen bis zu 70 Grad ausgesetzt. Produkte, die diese Prozedur überstehen, sind fit für den Praxiseinsatz“, versichert Seidel.

Bis zu 1.500 Einzelteile werden in den Geräten verbaut. Imtiaz Ahmad und Simon Lietzke aus dem Einkauf sind mit dafür verantwortlich, dass die benötigten Komponenten stets zum richtigen Zeitpunkt vorliegen. Vor allem die Beschaffung elektronischer Teile könne mitunter eine Herausforderung sein. „Wir müssen langfristig planen, da wir bestimmte Teile über viele Jahre benötigen“, sagt Ahmad.

Stucke will die Ausbildung weiter ausbauen

Im volatilen Halbleitermarkt sei das nicht immer einfach, ergänzt sein Kollege Lietzke. „Aber dank des Aufbaus langjähriger Beziehungen zu unseren Lieferanten konnten wir Lieferengpässe immer vermeiden.“

Langjährige und vertrauensvolle Beziehungen pflegt das Unternehmen natürlich auch zu den Kunden. Für die von Thorsten Seefeld geleitete Serviceabteilung steht deren Zufriedenheit ganz oben an. „Wir sind rund um die Uhr erreichbar und bieten einen umfassenden 24/7-Life-Cycle-Support inklusive Wartung, Reparatur- und Ersatzteil-Service“, berichtet er.

Zu den größten Herausforderungen des Mittelständlers zählt wie in vielen anderen Firmen die Rekrutierung von Fachkräften. „Die Leute, die wir brauchen, sind am Markt derzeit kaum zu finden“, sagt Personalreferentin Anja Rausch. „Deshalb wollen wir unseren Nachwuchs künftig selbst ausbilden.“

Daher soll bei der geplanten Erweiterung des Standorts auch ein eigenes Ausbildungszentrum entstehen. „Wir möchten künftig vier Elektroniker pro Jahr ausbilden“, so Rausch. „Die fachlichen Grundlagen sind vorhanden.“

Die Betreuung der Nachwuchskräfte soll Elektromechanikermeister Dirk Gerke übernehmen. Er bildet aktuell schon Azubis aus und freut sich auf weitere Zugänge. „Auf sie wartet ein abwechslungsreicher Job mit ausgezeichneten Entwicklungschancen“, sagt er.

Personalerin Rausch nickt. „Wir haben tatsächlich einiges zu bieten“, sagt sie. Neue Kollegen würden sofort integriert und professionell unterstützt. „Unter anderem gibt es ein Mentoren-Programm, das wir demnächst von der Abteilung Projektabwicklung auf andere Bereiche ausdehnen wollen.“

Regelmäßige Besuche in Schulen der Region

Neben diesen Benefits setzt das Hamburger Unternehmen bei der Gewinnung von Nachwuchs und Fachkräften auf Social Media, Messeauftritte und ihr persönliches Netzwerk. Anja Rausch: „Ich habe es in vielen Jahren aufgebaut und profitiere in vielen Situationen davon.“

Dazu zählt sie auch regelmäßige Besuche in den Schulen der Region. Ihr Credo: „Wir können gar nicht früh genug mit der Berufsorientierung beginnen. Nur wenn die Jugendlichen schon möglichst früh über die Berufswelt informiert sind, kann der Start in den Job gut gelingen.“

Aktueller Blick in norddeutsche Betriebe

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Lothar Steckel
Autor

Als Geschäftsführer einer Bremer Kommunikationsagentur weiß Lothar Steckel, was Nordlichter bewegt. So berichtet er für aktiv seit mehr als drei Jahrzehnten vor allem über die Metall- und Elektro-Industrie, Logistik- und Hafenwirtschaft, aber auch über Kultur- und Freizeitthemen in den fünf norddeutschen Bundesländern.

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