Wie an einer Perlenkette aufgereiht finden sich die Standorte des Unternehmens Wüstenberg Landtechnik in Schleswig-Holstein sowie in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Jüngst konnten die beiden Geschäftsführer Holger Wüstenberg und sein Sohn Momme die Eröffnung des zehnten Standorts in Klein Bünzow nördlich von Anklam verkünden. Eine runde Zahl, die gut zum großen Firmenjubiläum in diesem Jahr passt.
Im Jahr 1925 mit einer Schmiede gestartet
Denn der Grundstein für den Familienbetrieb war bereits vor 100 Jahren gelegt worden – von August Wüstenberg, der 1925 mit einer kleinen Hufschmiede in Börm (Kreis Schleswig-Flensburg) in die Selbstständigkeit startete. Sein Sohn Heinz machte dort seine Lehre und startete 1946 mit Lohndrusch für die Landwirte der Region ein neues Business.
Eine gute Idee, das Geschäft mit dieser landwirtschaftlichen Dienstleistung florierte und einige Jahrzehnte später hatte der Betrieb schon 15 Mähdrescher im Einsatz. Nachdem Wüstenberg 1970 Vertragshändler von Deutz-Fahr geworden war, baute Heinz diese Sparte konsequent aus und konzentrierte sich fortan auf den Landmaschinenhandel.
Bereits 1976 war der Standort im nordfriesischen Niebüll dazugekommen. „Der Betrieb hier war größer als der am Stammsitz in Börm“, erzählt Holger Wüstenberg. „Für meinen Vater war das damals eine mutige und richtungsweisende Entscheidung.“
Zusammenarbeit mit vielen großen Anbietern
1982 kam dann Husum an der Nordsee dazu. Wüstenberg: „Damit stellte mein Vater sicher, dass wir in dieser Region immer kurze Wege zu unseren Kunden haben und nahezu jederzeit verfügbar sind, um in der Werkstatt oder bei Bedarf auch direkt auf dem Feld technische Unterstützung zu leisten.“
Ein Geschäftsmodell, das weiterhin gefragt ist. Die Wüstenberg-Gruppe stellt mit ihren Partnern, darunter so renommierte Hersteller wie New Holland, Deutz-Fahr, JCB und Krone, leistungsstarke Landtechnik bereit, die den Kunden dabei hilft, ihre Felder zu bestellen und später die Ernte einzufahren. Mähdrescher und Traktoren gehören genauso dazu wie moderne Pflanzenschutz- und Erntemaschinen.
Im Vordergrund steht dabei stets der Servicegedanke – unabhängig davon, ob es um Neu-, Gebraucht- oder Mietmaschinen geht, um die schnelle Lieferung von Ersatzteilen, den Notdienst vor Ort oder auch das Training auf den verschiedenen Maschinen.
Expansion in den neuen Bundesländern
Nach der Grenzöffnung trieb Heinz Wüstenberg in den 90er Jahren das Wachstum in Mecklenburg-Vorpommern und später mit einem Standort auch in Brandenburg erfolgreich voran. Hinzu kam 1996 ein polnisches Tochterunternehmen.
Die Zukäufe erfolgten jedoch immer mit Bedacht und aus eigenen Mitteln. Darauf legt Holger Wüstenberg, der die Unternehmensleitung nach dem Tod seines Vaters Heinz 2017 übernahm, auch heute großen Wert: „Wir investieren hohe Summen in unsere Standorte, in neue Hallen und Maschinen, doch dieses Geld müssen unsere Betriebe erst einmal selbst erwirtschaften. Wir expandieren gerne, möchten aber immer gesund wachsen.“
Das passt zum Firmenmotto „Bei uns in guten Händen“ – die Kunden sollen sich in der Zusammenarbeit mit Wüstenberg wohlfühlen und die Sicherheit haben, dass ihnen geholfen wird, auch in Zukunft.
Eine eigene Abteilung für Instagram und Youtube
„Wir haben unsere Präsenz in den sozialen Medien konsequent ausgebaut und profitieren heute sehr davon.“
Momme Wüstenberg, Geschäftsführer Wüstenberg
Der Inhaber begegnet sowohl den Partnern aus der Landwirtschaft als auch den eigenen Mitarbeitern stets mit norddeutscher Herzlichkeit und ist für einen freundlichen Schnack immer zu haben. Denn das spielt bei Wüstenberg eine große Rolle – untereinander „snackt man platt“, auch wenn man mal im Anzug unterwegs ist.
Auch Holgers Sohn Momme, der im Jahr 2021 nun bereits in der vierten Generation in die Geschäftsführung des Familienunternehmens aufgerückt ist, trägt zu diesem guten Betriebsklima bei. Um dem Fachkräftemangel etwas entgegenzusetzen, hat er den Auftritt der Wüstenberg-Gruppe in den sozialen Medien forciert. Zunächst mithilfe einer Agentur, dann aber mit einer eigenen Abteilung.
„Darum kümmern sich bei uns drei Kolleginnen mit viel Leidenschaft. Und auch unsere Mitarbeiter haben Spaß daran und machen gerne mit“, sagt Holger Wüstenberg. „So sehen die jungen Leute auf Instagram und Youtube, was hier so alles los ist. Und sie nehmen uns als attraktiven Arbeitgeber wahr, der eine Menge zu bieten hat, auch für Nachwuchskräfte.“
Die Videos finden großen Anklang bei den Usern
Das kommt gut an, wie man unter anderem an den Abrufzahlen der Reihe „Julius bloggt aus dem CR11“ sehen kann. Hier berichtet der junge Vorführfahrer Julius in kurzweiligen Clips aus der Fahrerkabine eines Mähdreschers, der als größter seiner Art gilt, und erreicht damit regelmäßig viele Tausend Nutzer bei Instagram und Youtube.
Fachkräfte sind am Markt kaum zu finden
Großer Beliebtheit erfreut sich auch die Rubrik „Wüstenbergs Werkbankwissen“, in der die Mitarbeiter Malte und Tom mit allem, was „Technik, Daten, Zahlen und Fakten betrifft“ informieren und zugleich unterhalten. Die beiden greifen auch Themenwünsche auf und zeigen, wie viel Spaß solche Kurzvideos vermitteln können, die direkt und unverstellt aus dem Unternehmen kommen.
Die Geschäftsführung weiß diese Aktitiväten zu schätzen. Holger Wüstenberg: „Wir wissen aus Erfahrung, dass wir die Fachkräfte der Zukunft selber ausbilden müssen. Denn es gibt gegenwärtig kaum verfügbare Land- und Baumaschinenmechatroniker auf dem Markt.“
Dadurch, dass Wüstenberg auf Social Media so erfolgreich unterwegs ist, habe man wenig Sorge, guten Nachwuchs mit Interesse für die landtechnischen Herausforderungen zu gewinnen. Zudem betreibt das Unternehmen eine eigene Lehrlingswerkstatt am Standort in Kleeth mit einem Werkstattmeister, der die Azubis optimal auf die Prüfung vorbereitet.
Auch Ministerpräsident Daniel Günther gratulierte
Der gute Zusammenhalt im Betrieb zeigte sich auch bei der Jubiläumsfeier Ende Mai in Husum. Umgeben von großen Mähdreschern und Traktoren kamen zunächst rund 800 Kunden und Geschäftspartner des Unternehmens, am Folgetag dann die „Wüstenberger und Wüstenbergerinnen“.
Zudem wurden die Mitarbeiter in der Festschrift fotografisch abgebildet, und zwar alle. Momentan beschäftigt die Gruppe annähernd 350 Personen, darunter 70 Azubis. Das alles beeindruckt offenbar auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten Daniel Günther.
„Wir haben inzwischen zehn Standorte im Norden und dadurch immer einen kurzen Weg zu unseren Kunden.“
Holger Wüstenberg, Geschäftsführer Wüstenberg
In seinem Grußwort zur Jubiläumsfeier sagte er: „Was vor einem Jahrhundert in Börm begann, ist heute ein modernes Unternehmen, das gleichermaßen auf Tradition und Fortschritt setzt. Auf diese Weise hat Wüstenberg den technischen Wandel in unserer Landwirtschaft mitgestaltet und zeigt generationsübergreifend, wie man sich immer wieder neuen Herausforderungen erfolgreich stellt.“
Neben den festlichen Worten kam auch der norddeutsche Humor nicht zu kurz, unter anderem durch ein eigens produziertes Video von Youtuber Freshtorge und die Moderation des TV-Stars Yared Dibaba, der fließend Plattdeutsch spricht.
Geschenke waren zum Jubiläum übrigens nicht erwünscht, vielmehr wurde um Geldspenden für die Heinz Wüstenberg Stiftung gebeten. Hier kam die stattliche Summe von 45.000 Euro zusammen.
Damit hat die vor 20 Jahren von Heinz Wüstenberg gegründete Stiftung insgesamt schon über 1,7 Millionen Euro gesammelt und in Förderprojekte gesteckt. Einnahmen werden dabei auch über „Stiftungsland“ in Mecklenburg-Vorpommern generiert, das Wüstenberg nach der Wende gekauft hatte und nun an Kunden verpachtet.
Die Erträge daraus kommen vor allem begabten Jugendlichen aus dem Norden zugute, die mit Bildungs- und Ausbildungsmaßnahmen unterstützt werden. So profitierte einst auch die Schwimmerin Kirsten Bruhn, die mehrfach Gold bei den Paralympics gewann, von den Zuwendungen der Stiftung.
100 Jahre Landtechnik
- Im Jahr 1925 startet August Wüstenberg mit einer Schmiede in Börm.
- 1955 wird der erste selbst fahrende Mähdrescher im Lohndrusch eingesetzt.
- Unter Heinz Wüstenberg werden 1976 und 1982 die Betriebe in Niebüll und Husum übernommen.
- 1990 wird mit Jördenstorf der erste Betrieb im Osten gekauft.
- Gründung der Heinz Wüstenberg Stiftung im Jahr 2005.
- Nach Holger Wüstenberg tritt 2021 auch sein Sohn Momme in die Führung des Unternehmens ein.
- Zum 100-jährigen Jubiläum wird 2025 in Klein Bünzow der zehnte Standort eröffnet.
Aktueller Blick in norddeutsche Betriebe
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