Es ist eine der spannendsten Baustellen Norddeutschlands: Während auf der einen Seite Abrissbagger damit beschäftigt sind, die letzten Reste des ehemaligen Kohlekraftwerks Moorburg abzutragen, wird gegenüber bereits der Grundstock gelegt für eine Halle, in der ab 2027 Strom in „grünen Wasserstoff“ umgewandelt werden soll.

Das Kraftwerk war nur sechs Jahre in Betrieb

16.000 Quadratmeter groß ist der Baugrund, auf dem künftig rund 10.000 Tonnen Wasserstoff (H2) pro Jahr ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Quellen produziert und für die Industrie nutzbar gemacht werden – wenn alles nach Plan läuft.

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher hatte dazu in seiner Rede zur Einbringung des Doppelhaushalts 2025/2026 betont, dass die Energiewende ein wichtiger Transformationsprozess für das Hamburg der Zukunft sei: „Während andere den Mut verlieren, gehen wir voran, mit großen Investitionen und modernen Konzepten“, sagte Tschentscher, der die Stadt seit 2018 regiert. 

10.000 Tonnen Wasserstoff sollen hier jährlich produziert werden

„Der 100-Megawatt-Elektrolyseur in Moorburg ist im Bau, die Energienetze werden erweitert, mit Großwärmepumpen dekarbonisieren wir die Fernwärme. Und im Hafen werden ein Wasserstoffnetz und Deutschlands erstes Terminal für den Import regenerativer Energien gebaut.“

Die Zeit drängt allerdings, denn im Oktober 2025 beschlossen die Hamburger Wähler mit dem „Zukunftsentscheid“ das „Gesetz für besseren Klimaschutz“. Und damit ist die Hansestadt gezwungen, schon bis 2040 klimaneutral zu werden.

Der Weg dahin ist nicht einfach: Im Frühjahr war die Sprengung des 2015 eingeweihten und bereits nach sechs Jahren wieder stillgelegten Kohlekraftwerks zunächst fehlgeschlagen und erst im zweiten Anlauf geglückt. Die Anlage von Vattenfall hatte rund 3 Milliarden Euro gekostet, nun werden die letzten Reste des Kesselhauses und des markanten Doppelschornsteins beseitigt, um Platz zu schaffen für die Produktion von Wasserstoff, der von vielen als ein Schlüsselelement der Energiewende angesehen wird. Er ist jedoch deutlich teurer als fossile Energieträger, daher hält sich die Nachfrage der Industrie noch in Grenzen.

Ein Konsortium mit ambitionierten Plänen

Zuständig für die Umsetzung der Pläne ist das Konsortium „Hamburg Green Hydrogen Hub“ (HGHH). Zu diesem gehören die Hamburger Energiewerke GmbH (HEnW), ein Zusammenschluss der städtischen Unternehmen Hamburg Energie und Wärme Hamburg, und – mit einem Anteil von rund 75 Prozent – der private Investor Luxcara, der auf nachhaltige Energieinfrastrukturprojekte spezialisiert ist.

Auf einer Baustellenbegehung im Herbst erklärt Christoph Cosler, Projektleiter und HGHH-Geschäftsführer, die ehrgeizigen Pläne: „Die Industrie im Hafen wird Wasserstoff brauchen, es gibt einen signifikanten Bedarf. Deshalb haben wir frühzeitig begonnen, sodass wir nun bereits neue Dinge wie den technischen Umbau des Netzanschlusses angehen können, obwohl der Rückbau des Kraftwerks noch nicht abgeschlossen ist.“

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Es soll aber nicht alles abgerissen werden, da man möglichst viele Komponenten des Kraftwerks noch weiter nutzen will. Das gilt unter anderem für die Verwaltungs- und Lagergebäude sowie die Wasseraufbereitung an der Kaikante, in der das Elbwasser für die Elektrolyse genutzt werden kann. Hierzu hat HGHH Siemens Energy beauftragt, sechs Einheiten seines neuesten Elektrolyseurmodells zu liefern.

Diese bilden gemeinsam den 100-Megawatt-Elektrolyseur, der bei Bedarf noch erweitert werden kann. Die Partnerschaft mit Siemens Energy beinhaltet dabei auch einen zehnjährigen Wartungsvertrag. Zu den Kosten des Elektrolyseurs und der Produktion machten die Beteiligten bislang keine Angaben.

Während die Baumaschinen arbeiten, erklärt Elisabeth Ziemann, Referentin Wasserstoff bei den Hamburger Energienetzen, das „Hamburger Wasserstoff-Industrienetz“ (HH-WIN): „Derzeit ist das Netz mit einer Länge von 40 Kilometern zur Belieferung der Kunden geplant, bis 2031 soll es auf 60 Kilometer Länge ausgebaut werden.“

Bundesweites Netz für Wasserstoff geplant

Die örtlichen Firmen können ab Anfang 2026 ihren prognostizierten Bedarf melden und Kapazitäten für die Nutzung des Wasserstoffnetzes ab 2027 reservieren. „HH-WIN ist jedoch keine Insellösung, sondern Teil eines größeren Systems, das demnächst entsteht“, so Ziemann. „Es wird Teil eines deutschen Wasserstoff-Kernnetzes, das etwa 9.000 Kilometer Länge haben wird.“

Es soll 2032 in Betrieb gehen, mit Anschluss an das für 2034 geplante europäische Transportnetz „European Hydrogen Backbone“ (EHB). Hamburgs Industrie wird dadurch mit nationalen und mit europäischen Wasserstoff-Fernleitungen verbunden – der Moorburger Wasserstoff soll sowohl in das Netz eingespeist als auch direkt genutzt werden können.

Ein zentrales Ziel ist die Versorgungssicherheit

Die Hamburger Energienetze GmbH entstand 2024 aus der Zusammenlegung von Strom- und Gasnetz. Beide Netze waren zuvor an große Konzerne verkauft und später nach einem Volksentscheid von der Stadt zurückgekauft worden. Rund 2.300 Beschäftigte des Netzbetreibers sind laut Elisabeth Ziemann tätig für mehr als 1,2 Millionen Netzkunden. Nun soll das Unternehmen auch den Aufbau des Wasserstoffnetzes organisieren.

Übergeordnetes Ziel des Vorhabens ist es, mit einer kommerziellen Wasserstoffproduktion einseitige Energieimporte weiter zu reduzieren und so die Versorgungssouveränität zu stärken. Dem Standort Moorburg ist dabei die Rolle eines aktiven Treibers der Wasserstoffwirtschaft zugedacht, der das Potenzial einer nachhaltigen Transformation „made in Hamburg“ verkörpert.

Grüner Wasserstoff

  • Wasserstoff hat eine hohe Energiedichte und ist das leichteste von allen 94 natürlichenElementen.
  • Er wird üblicherweise per Elektrolyse gewonnen, bei der Wasser (H2O) mithilfe von Strom in Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O2) aufgespalten wird.
  • Für die Produktion von grünem Wasserstoff ist nur der Einsatz von erneuerbaren Energien erlaubt, damit die Produktion kein Kohlenstoffdioxid (CO2) erzeugt. Wasserstoff kann also durchaus dazu beitragen, Industrien zu dekarbonisieren.
  • Kritiker bemängeln allerdings, dass die Erzeugungskosten für grünen Wasserstoff immer noch zu hoch seien. Vor allem ein „Delegated Act“, in dem die Europäische Kommission definiert, welche Kriterien für grünen Strom gelten, könnte die Produktion von grünem Wasserstoff verteuern und so die Nachfrage seitens der Unternehmen verringern.

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