Vor 45 Jahren fand in München die Premiere eines Spielfilms statt, der neue Maßstäbe setzte und bislang unbekannte Schauspieler wie Herbert Grönemeyer über Nacht zu Stars machte. „Das Boot“ wurde zum Blockbuster der 80er Jahre, was auch der realistischen Darstellung der Verhältnisse in einem U-Boot zu verdanken war. Millionen von Zuschauern fieberten mit, wenn der „Kaleu“ durch sein Sehrohr gegnerische Schiffe erspähte und alle Mann auf Gefechtsstation gingen.

1962 von einem U-Boot-Konstrukteur und Schiffbauingenieur gegründet

Heutige U-Boote sind immer noch mit einem Periskop ausgestattet, aber daneben gibt es zahl-reiche weitere Ausfahrgeräte, die von hochspezialisierten Unternehmen entwickelt und gebaut werden. Ein Marktführer in diesem Bereich ist die Gabler Group aus Lübeck, die 1962 von dem Schiffbauingenieur Ulrich Gabler gegründet wurde und innerhalb weniger Jahre zu einem erfolgreichen Player in der internationalen Wehr- und Marinetechnik wurde.

Im März 2026 folgte der nächste Meilenstein. Das Unternehmen ging an die Börse und vereinnahmte durch den Verkauf der Aktien einen Nettoerlös von etwa 40 Millionen Euro. CEO David Schirm: „Damit haben wir zusätzliche Voraussetzungen geschaffen, um unsere technologische Kompetenz im Unterwasserbereich auszubauen, gezielt in Forschung, Entwicklung und Produktionskapazitäten zu investieren und unseren internationalen Vertrieb zu stärken.“ Außerdem will die Firmengruppe ihre Position in den Bereichen Unterwasser-Antriebe und -Kommunikation ausbauen sowie neue Felder im Bereich maritimer Infrastruktur und autonomer Unterwassersysteme erschließen.

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Die Gabler Group besteht aus vier Unternehmen, die sich perfekt ergänzen

Die Voraussetzungen dafür sind gut, denn angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage ist der Bedarf an Gabler-Produkten so hoch wie nie, was die Zahlen eindrucksvoll belegen: Im Geschäftsjahr 2025 erwirtschaftete die Gruppe einen Umsatz von rund 61,7 Millionen Euro und damit fast das Doppelte des Vorjahreswerts.

Ein Teil des Umsatzanstiegs geht zurück auf die Übernahme des Kieler Unternehmens SubCtech, die 2025 vollzogen wurde. SubCtech ist spezialisiert auf Fernerkundung, Echtzeit-Datenerfassung und Unterwasserstromversorgung für Sensoren und Fahrzeuge, wodurch sich Meeresumgebungen mit hoher Präzision erforschen und überwachen lassen. Zum Portfolio des Unternehmens gehören unter anderem sogenannte „FerryBoxes“, die auf Wasserfahrzeugen montiert sind und wichtige Erkenntnisse über geologische Prozesse, klimatische Verhältnisse und Meeresökosysteme liefern.

Spezialisten für Datenanalyse und Meeresüberwachung

Ein weiteres Unternehmen der Gabler Group ist Develogic, ein im Jahr 2000 gegründetes Unternehmen mit Sitz in Hamburg, das sich auf die Entwicklung und Herstellung kundenspezifischer Datenerfassungs- und Telemetrielösungen für Meeresüberwachungsanwendungen spezialisiert hat. Zu den Kunden der Firma zählen namhafte internationale Forschungsinstitute, Marinen und Unternehmen aus den Bereichen erneuerbare Energien, Bauwesen und Öl- und Gas-Unternehmen aus dem Offshore-Bereich.

Komplettiert wird das Gabler-Quartett durch die Firma North.io, einen Big-Data-Spezialisten mit Sitz in Kiel, der vor 15 Jahren gegründet wurde. Das Unternehmen, das zahlreiche Daten- und Software-Ingenieure, Big-Data-Experten, Geowissenschaftler und andere Fachleute beschäftigt, ist ein Lösungsanbieter für die Verwaltung, Verarbeitung und Analyse von Rohdaten aus Unterwassersensoren. Einsatz finden diese Daten in den Bereichen Offshore-Windenergie, Vermessung, Verteidigung, Sicherheit und Behörden.

CEO David Schirm: „Wir wollen ein ganzheitlicher Anbieter sein. Die vier Unternehmen unserer Gruppe haben alle den gleichen Fokus – sie entwickeln innovative Lösungen zur Erforschung, Erschließung, Erfassung und Sicherung des Unterwasserbereichs. Dabei agieren sie jedoch weitgehend eigenständig. Jede Einheit kann ihren eigenen strategischen Kurs festlegen und arbeitet unabhängig. Die Gabler Group fördert die teamübergreifende Zusammenarbeit und ermöglicht den Austausch von Wissen und Ressourcen, um effizient und profitabel zu arbeiten.“

Attacken auf die „Nord Stream“-Pipeline und andere Anschläge im Meer

Wie hoch der Bedarf an den Leistungen und Produkten ist, die in der Gruppe entwickelt werden, sieht man an den Vorfällen, die es in den vergangenen Jahren gab.

  • Im September 2022, wenige Monate nach dem russischen Angriff auf die Ukraine, sorgte der Anschlag auf die Ostsee-Pipeline „Nord Stream“ weltweit für Aufsehen.
  • Ein Jahr später wurden die Gaspipeline zwischen Estland und Finnland sowie zwei Telekommunikationskabel beschädigt.
  • Und im November 2024 folgte eine Attacke auf zwei Datenkabel, die Finnland mit Deutschland, Schweden und Litauen verbinden.

Diese Sabotageakte zeigen, wie gefährdet maritime Infrastruktur heutzutage ist. Der Schutz von Pipelines, Daten- und Stromkabeln wird daher immer wichtiger.

Da auch die Bedrohungslage im militärischen Bereich stetig zunimmt, investiert Gabler eine Menge in Forschung und Entwicklung. David Schirm: „Wir haben in dieser Abteilung derzeit etwa 25 Mitarbeiter. Ein weiterer Ausbau ist angedacht.“

Ein unbemanntes Unterwasserfahrzeug, das durchs Torpedorohr gestartet wird

Ein Schwerpunkt ist die Entwicklung autonomer Systeme, die ja bereits in Form fliegender und fahrender Drohnen regelmäßig Einsatz finden. Die Lübecker präsentierten nun ein unbemanntes Wasserfahrzeug (USV), das sich aus Standard-Torpedorohren in Tiefen von mehr als 300 Metern ausstoßen lässt und eine Länge von rund 4,5 Metern hat. Der Rumpf verfügt über eine ausfahrbare Mast- und Kielkonstruktion sowie einen elektrischen Antrieb, der eine hohe Reichweite ermöglicht.

Das Vehikel wird in zwei Varianten angeboten: Die Variante „Ranger“ ist für Aufklärung, Überwachung und Erkundung konzipiert und die Variante „Raider“ lässt sich für Präzisionsschläge mit gelenkten Waffen oder Effektbehältern einsetzen.

Schon über 185 U-Boote in aller Welt mit Gabler-Technik ausgestattet

Die Gabler-Ingenieure können bei der Entwicklung solcher Innovationen auf über 60 Jahre Erfahrung in der U-Boot-Technik zurückgreifen, die das Unternehmen zum weltweit zweitgrößten Anbieter von Ausfahrgerät-Systemen für konventionelle U-Boote gemacht hat. „Wir haben bereits 185 U-Boote ausgestattet“, bilanziert CEO David Schirm, „und liefern unsere Produkte weltweit an über 25 Marinen in aller Welt.“

Im Wertpapierprospekt zum Börsengang gibt es dazu eine interessante Ergänzung. Dort heißt es: „Die südkoreanische Marine stellt aufgrund der Größe ihrer U-Boot-Flotte einen unserer größten bestehenden Märkte dar, während die US-Marine mit der weltweit größten U-Boot-Flotte unseren bedeutendsten potenziellen Markt für künftiges Wachstum darstellt.“

64 Jahre U-Boot-Technik

  • 1962: Gründung durch den Schiffbauingenieur Ulrich Gabler. Das Lübecker Unternehmen spezialisiert sich früh auf Mastsysteme und Komponenten für U-Boote.
  • 2013: Das Familienunternehmen wird von der Possehl-Gruppe übernommen, die ihren Sitz ebenfalls in Lübeck hat.
  • 2026: Unter dem Namen Gabler Group geht das Unternehmen an die Börse, um mit den Erlösen das Wachstum im Bereich der maritimen Hochtechnologie weiter zu beschleunigen.

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Clemens von Frentz
Leiter aktiv-Redaktion Nord

Der gebürtige Westfale ist seit über 35 Jahren im Medienbereich tätig. Er studierte Geschichte und Holzwirtschaft und volontierte nach dem Diplom bei der „Hamburger Morgenpost“. Danach arbeitete er unter anderem bei n-tv und „manager magazin online“. Vor dem Wechsel zu aktiv im Norden leitete er die Redaktion des Fachmagazins „Druck & Medien“. Wenn er nicht in den fünf norddeutschen Bundesländern unterwegs ist, trainiert er für seinen dritten New-York-Marathon.

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