Die jüngsten Daten zur Ausbildung in Hamburg sind alarmierend – die Zahl der Azubis ist auf den niedrigsten Stand seit der Jahrtausendwende gefallen. Damals gab es 34.865 Auszubildende, heute sind es nur noch 32.943.
Die Gründe dafür sind vielschichtig, aber unstrittig ist, dass der demografische Wandel eine entscheidende Rolle spielt. Viele Betriebe, vor allem kleinere, haben zunehmend Schwierigkeiten, freie (Lehr-)Stellen zu besetzen.
Durchschnittlich 20 Azubis im Betrieb
Es gibt in der Hansestadt allerdings auch Firmen, die in Sachen Ausbildung keine großen Probleme haben und hier sehr aktiv sind. Ein besonders beeindruckendes Beispiel ist die Bärenkälte GmbH, die derzeit 20 Azubis im Betrieb hat – und das bei einer Belegschaftsgröße von 80 Mitarbeitern. Die Ausbildungsquote liegt also bei 25 Prozent.
„Das Thema Fachkräftenachwuchs liegt uns wirklich am Herzen“, sagt Sebastian Schlösser, der das Personalwesen des Hummelsbüttler Familienbetriebs leitet. „Die hohe Ausbildungsquote ist kein Zufall, wir haben sie maßgeblich unserem Inhaber Andreas Baehr zu verdanken, der sich schon früh um solche Themen gekümmert hat.“
Während er das erzählt, strömt eine Gruppe fröhlicher Schüler über den Hof und läuft zum hinteren Teil des Werkgeländes, wo heute der InfoTruck der Metall- und Elektro- Industrie steht. „Ein Beispiel für unsere Nachwuchsarbeit“, sagt Schlösser. „Das ist die neunte Klasse einer hiesigen Schule. Die Schüler erhalten im Truck zunächst einige Informationen und gehen dann in die Lehrwerkstatt, wo sie sich mit den Azubis austauschen können.“
Anspruchsvolle und vielseitige Arbeit
Auf dem Weg dorthin erläutert der Personaler das Geschäftsmodell des Unternehmens, das 1976 vom Vater des heutigen Inhabers gegründet wurde und Mitglied im Allgemeinen Verband der Wirtschaft Norddeutschlands (AGV Nord) ist. „Bärenkälte zählt zu den führenden Spezialisten im Norden in den Bereichen Beratung, Planung, Neubau, Wartung und Service für Kälte-, Klima-, lüftungs- technische Anlagen und Wärmepumpen“, so Schlösser. „Unsere Kunden kommen aus dem privaten Bereich, aus dem Mittelstand und aus allen Teilen der Großindustrie.“
Andreas Baehr ergänzt: „Wir sind Experten im Bereich der Kälteanlagenkonstruktion und können auch als Mechatroniker für Kältetechnik bezeichnet werden. Unser Beruf gehört zweifellos zu den anspruchsvollsten im Handwerksbereich. Wir sind gleichzeitig Heizungsbauer, Kälteanlagenbauer, Klempner und Elektriker.“
Der Weg zur Lehre führt übers Praktikum
Dass diese Arbeit mit klassischen Handwerkstechniken verbunden ist, sieht man in der Lehrwerkstatt, wo die Schüler nun nach der theoretischen Einheit im M+E- InfoTruck ihren praktischen Fähigkeiten erproben dürfen.
Auf dem Programm stehen Löten, Biegen und Bördeln – typische Techniken des Metallhandwerks, die sonst nur in der Ausbildung erlebt werden. „Solche Events sind eine großartige Gelegenheit, jungen Menschen die Faszination unseres Handwerks zu zeigen und berufliche Perspektiven in diesem Bereich aufzuzeigen“, sagt Ausbildungsmeister Maik. „Es freut uns immer, wenn Jugendliche entdecken, wie abwechslungsreich und spannend Technikberufe sein können.“
Auch die zwei begleitenden Lehrkräfte sind begeistert. Klassenlehrer Jan Schröter: „Man merkt wirklich, wie viel Spaß den Schülerinnen und Schülern diese praktische Arbeit macht. Sie waren alle hoch konzentriert und haben gut zugehört. Und einige von ihnen haben auch schon den Wunsch geäußert, hier mal ein Praktikum zu machen. Gut möglich, dass sie dann später auch ihre Ausbildung hier machen.“
Der Geschäftsführer fing hier als Azubi an
„Erfolg entsteht vor allem durch Vertrauen.“
Christian Greding, Geschäftsführer
Wer als Schüler einige Zeit bei uns war, weiß danach ziemlich sicher, ob ihm diese Arbeit liegt. Und wir können beurteilen, ob er die nötige Eignung mitbringt und zu uns passt.“
Diese zwei Merkmale treffen offenbar auch auf Christian Greding zu, der seine Lehre ebenfalls bei Bärenkälte gemacht hat. 2019 wurde ihm die Geschäftsführung der Firma übertragen, die er nun gemeinsam mit Andreas Baehr leitet. Gredings Credo: „Erfolg entsteht vor allem durch Vertrauen, denn in unserer Branche geht es nicht allein um die Installation, sondern auch um kontinuierliche Wartung und langfristige Partnerschaft.“
Seit rund 50 Jahren dabei – und immer noch aktiv
Apropos langfristig: Einige Beschäftigte von Bärenkälte sind dem Betrieb schon seit mehreren Jahrzehnten verbunden. Sebastian Schlösser: „Wir haben einen Kollegen, der seit der Gründung dabei ist und immer noch regelmäßig für uns arbeitet, wenn Bedarf besteht.“
Aktueller Blick in norddeutsche Betriebe
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Der gebürtige Westfale ist seit über 35 Jahren im Medienbereich tätig. Er studierte Geschichte und Holzwirtschaft und volontierte nach dem Diplom bei der „Hamburger Morgenpost“. Danach arbeitete er unter anderem bei n-tv und „manager magazin online“. Vor dem Wechsel zu aktiv im Norden leitete er die Redaktion des Fachmagazins „Druck & Medien“. Wenn er nicht in den fünf norddeutschen Bundesländern unterwegs ist, trainiert er für seinen dritten New-York-Marathon.
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