Zeit ist Geld – vor allem im Kreuzfahrtgeschäft. Deshalb schickte die Wilhelmshavener Turbo-Technik GmbH kurzerhand acht Monteure und Mechaniker nach Lissabon, damit sie auf einem Schiff der Aida-Flotte während der Fahrt nach Rotterdam eine alte Kühlanlage demontieren konnten. Nach der Ankunft in dem niederländischen Zielhafen wurde das neue Aggregat dann im Rahmen eines ohnehin geplanten Werftaufenthalts eingebaut.

1967 für die Reparatur von Turbinen und Antriebsaggregaten gegründet

Eine echte Win-win-Situation – die Reederei konnte ihren eng getakteten Reiseplan einhalten und die Monteure waren nach kurzer Zeit wieder verfügbar für neue Einsätze. Arbeiten auf hoher See und fern der Heimat – das ist für die Beschäftigten von Turbo-Technik Alltag. Das 1967 von Dietrich Dassler gegründete Unternehmen wurde ursprünglich speziell zur Reparatur von Turbinen und Antriebsaggregaten auf Handels- und Marineschiffen ins Leben gerufen. Inzwischen ist der mittelständische Familienbetrieb auch in Kraftwerken, auf LNG-Terminals oder in großen Industrieanlagen aktiv und baut sein Portfolio kontinuierlich aus.

Diese Strategie zahlt sich aus. Als der heutige geschäftsführende Gesellschafter Martin M. Dassler die Leitung Anfang der 2000er Jahre von seinem Vater übernahm, hatte der Betrieb rund 70 Mitarbeiter und erwirtschaftete etwa 10 Millionen Euro Umsatz. Inzwischen arbeiten für Turbo-Technik inklusive der Leiharbeiter weltweit 450 Fachkräfte und der Umsatz liegt im hohen zweistelligen Millionenbereich.

„Green Technology“ wird immer wichtiger, die Kunden wollen ökologische Lösungen

„Unser Erfolg gründet sich darauf, dass wir rund um die Uhr einsatzbereit sind und unsere Kunden stets zuverlässigen und erstklassigen Service bekommen“, sagt der technische Direktor Timo Hartmann, der seit etwa 20 Jahren für Turbo-Technik tätig ist. Die Aktivitäten des Unternehmens teilen sich in drei Bereiche auf: zivile Schifffahrt, öffentliche Auftraggeber/Marine und Industrie. Neben Wilhelmshaven ist die Firma mit einer Niederlassung in Hamburg und seit 2022 mit einer weiteren Dependance in Rostock tätig. Hartmann: „An diesen Standorten beschäftigen wir rund 180 Mitarbeiter, der Rest ist ständig weltweit unterwegs.“

Im ursprünglichen Kerngeschäft der zivilen Schifffahrt sind Großaufträge wie die Demontage eines Schiffspropellers oder der Einbau einer tonnenschweren Kurbelwelle zur Routine geworden. Auch die Montage von Scrubbern für die Abgasreinigung von Schiffen ist inzwischen Alltag. Hartmann: „Wir haben bereits über 120 Anlagen dieser Art eingebaut.“ Ein- und Umbauten zur Nutzung regenerativer Brenn- und Treibstoffe vervollständigen den Aufgabenbereich. Denn: „Green Technology ist für die Kreuzfahrt wichtig, da sie in sensible Regionen wie Fjorde fährt, die unter besonderem Schutz stehen.“

Umfangreiches Hubschrauber-Projekt für Fregatten der Klasse F 124

Die Marine ist ein weiteres wichtiges Standbein des Betriebs. Erst kürzlich beauftragte das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr die Wilhelmshavener mit der Integration des neuen Bordhubschraubers NH90 „Sea Tiger“ auf den Fregatten der Klasse F 124. Die Spezialisten übernehmen als Hauptauftragnehmer ein zentrales Integrationsvorhaben zur langfristigen Sicherstellung der Einsatzfähigkeit der Fregatten „Sachsen“, „Hamburg“ und „Hessen.

Der „Sea Tiger“ soll künftig den bisher genutzten „Sea Lynx“ ersetzen und stellt aufgrund seiner Abmessungen, seines Gewichts und seiner erweiterten Fähigkeiten deutlich höhere Anforderungen an die Schiffsstruktur und -technik als sein Vorgänger. Im Mittelpunkt des Auftrags stehen daher umfangreiche Anpassungen an schiffbaulichen Strukturen, vor allem im Bereich von Flugdeck und Hangar.

Dazu kommt die Integration der für Betrieb, Wartung und Instandsetzung erforderlichen Schnittstellen und Systeme. Firmenchef Dassler: „Dieses Projekt ist sehr anspruchsvoll. Unser Team ist hoch motiviert und bereit, seine Erfahrungen mit der Schiffsklasse in dieses Vorhaben einzubringen.“

Ähnlich spannend ist der Industriebereich. „Unsere Mitarbeiter sind aktuell in 41 Kraftwerken in Deutschland und den Niederlanden tätig“, berichtet Hartmann. „Das entspricht rund 55 Prozent der installierten konventionellen Leistung, also der auf fossilen Energieträgern basierenden Kraftwerke.“ Zu den Kunden zählen RWE, Vattenfall, die Berliner und die Hamburger Energiewerke.

Die Herausforderung, der man sich stellen müsse, liege in der Umstellung auf erneuerbare Energien. „Wir sehen die Energiewende als Chance“, sagt Hartmann und nennt ein Beispiel: Turbo-Technik liefert und installiert gerade das komplette Rohrleitungssystem für das größte deutsche Abwasser-Wärmepumpen-Projekt, das derzeit von Siemens Energy in Berlin realisiert wird.

Bei diesem Vorhaben sind die Wilhelmshavener nicht nur mit der Stahlbeschaffung beauftragt, sondern verbinden auch die vier einzelnen Wärmepumpen der Anlage mit einem Rohrleitungssystem. Hartmann: „Wir haben rund 4.000 Schweißnähte gezogen und Rohre im Durchmesser von 15 Millimetern bis 80 Zentimetern bearbeitet.“

Gaspipeline für die Produktion von „grünem“ Stahl bei der Salzgitter AG

Ein ähnlicher Auftrag kam kürzlich von der Salzgitter AG. Turbo-Technik baut für den Konzern eine 3,2 Kilometer lange Gaspipeline, die für die Produktion von „grünem“ Stahl benötigt wird.

Um den steigenden Anforderungen der Kunden gerecht werden und das wachsende Geschäft bewältigen zu können, investierte Turbo-Technik 2024 über 3 Millionen Euro in eine neue Schweißhalle. Sie wurde binnen neun Monaten fertiggestellt, ist 1.600 Quadratmeter groß und bietet 20 Schweißplätze sowie eine moderne Absauganlage.

Gleichzeitig erweiterte das Unternehmen seine Büroflächen um 1.600 Quadratmeter. In dem dreistöckigen Neubau mit PV-Anlage auf dem Dach, Luftzirkulationsanlage, Fußbodenheizung und -kühlung gibt es auch ein Mitarbeiter- und Kundenbistro, das als ein Ort der Begegnung angelegt ist und als solcher auch genutzt wird.

Doch damit nicht genug. Auf einem angrenzenden Grundstück soll noch in diesem Jahr mit dem Bau einer weiteren, noch größeren Produktionshalle begonnen werden. Die sogenannte „Gigahalle“ wird auf 3.200 Quadratmetern für die Bereiche Defence, Stahl- und Anlagenbauprojekte sowie Aktivitäten des Tochterunternehmens Seus Kältetechnik Flächen bereithalten.

Konsequente Ausrichtung auf weiteres Wachstum und hohe Investitionen

„Die Halle ist ein wichtiger Teil unserer Gruppenstrategie, die auf Wachstum angelegt ist“, sagt dazu der kaufmännische Direktor Thorsten Albers. Denn Turbo-Technik ist nur eines von mehreren Unternehmen der Dassler Gruppe. Zu ihr zählen unter anderem das Reisebüro Hanse Business Travel in Hamburg und Wilhelmshaven sowie die 2025 erworbene Seus Kältetechnik GmbH in Wilhelmshaven.

Alle Firmen wachsen, daher benötigt man Platz, um den weiter steigenden Anforderungen gerecht zu werden. Albers: „In der neuen Halle installieren wir einen modernen Maschinenpark mit CNC-Biegemaschinen, einer Laserschneidanlage und Geräten zur Blech- und Rohrverarbeitung.“

Rund 7,5 Millionen Euro sollen investiert werden. Ziel ist es, neben der maschinenbaulichen Einzelfertigung auch eine Serienfertigung aufbauen zu können. „Wir haben deutlich mehr verantwortungsvolle Aufgaben übernommen, deren Bearbeitung in den vorhandenen Räumlichkeiten nicht oder nur schlecht funktionieren würde“, betont Albers. Der Neubau sei deshalb notwendig.

Das tarifgebundene Unternehmen bietet attraktive Konditionen für Fachkräfte

Zudem entwickeln die Niedersachsen gerade eine Strategie, die auf die Übernahme passender Betriebe zielt. Albers: „Wir haben das klare Ziel, weitere Unternehmen unter unser Firmendach zu integrieren.“ Die Zeichen stehen also auf Wachstum. Einzig die schwierige Lage auf dem Fachkräftemarkt trübt die gute Stimmung.

Turbo-Technik hält mit attraktiven Konditionen dagegen. „Wir bieten tarifgebundene Arbeitsplätze mit Sonderzahlungen, 30 Tage Urlaub und Urlaubsgeld“, sagt Timo Hartmann, der neben der Betriebsleitung auch fürs Recruiting zuständig ist. Dazu gibt es eine betriebliche Altersvorsorge, die Mitgliedschaft in einem Fitnessverbund sowie Bike-Leasing.

Ganz wichtig sei überdies, dass Turbo-Technik krisensichere Jobs biete. „Wir stehen auf drei Grundpfeilern. Wenn ein Bereich mal nicht so gut läuft, fangen die anderen Aktivitäten das ab.“

Die verstärkte Akquise hat sich ausgezahlt, allein in diesem Jahr haben die Turbo-Technik-Standorte 35 neue Mitarbeiter eingestellt. Doch die Suche nach Schiffs- und Industriemechanikern, Schweißern, Schlossern, Vorarbeitern und Bauleitern geht weiter, ebenso wie die nach Azubis. „Wir bieten keinen klassischen Nine-to-five-Job, dafür Herausforderungen mit der Chance auf Aufstieg und wertschätzende Kollegen“, sagt Hartmann.

Er selbst ist ein gutes Beispiel für eine erfolgreiche Karriere bei Turbo-Technik. „Als 16-Jähriger habe ich hier gelernt, war im Service, dann weltweit auf Montage und habe danach Maschinenbau studiert. Jetzt bin ich wieder hier und trage als technischer Direktor Verantwortung.“

Turbo-Technik

  • Gegründet 1967 als Schiffsreparaturbetrieb von Dietrich Dassler, dem Vater des heutigen geschäftsführenden Gesellschafters Martin M. Dassler.
  • Aus dem Betrieb entwickelte sich die DAB-Gruppe, zu der heute neben Turbo-Technik unter anderem die Seus Kältetechnik GmbH in Wilhelmshaven und das Reisebüro Hanse Business Travel in Hamburg und in Wilhelmshaven zählen.
  • Aktuell arbeiten für Turbo-Technik inklusive der Leiharbeiter weltweit 450 Fachkräfte, der Umsatz liegt im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Eine weitere Aufstockung des Personals ist geplant.

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Lothar Steckel
Autor

Als Geschäftsführer einer Bremer Kommunikationsagentur weiß Lothar Steckel, was Nordlichter bewegt. So berichtet er für aktiv seit mehr als drei Jahrzehnten vor allem über die Metall- und Elektro-Industrie, Logistik- und Hafenwirtschaft, aber auch über Kultur- und Freizeitthemen in den fünf norddeutschen Bundesländern.

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